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Aula erhält neues Gesicht

In den Osterferien wurde die Aula umgestaltet. Um das Grün der 70er Jahre abzulösen und einen neutralen Hintergrund zu schaffen, erhielt die Bühne eine weiße Rückwand.

Einen besonderen Akzent setzt die Zeichnung von Frau Elisabeth Mann, früher Kunstlehrerin an unserer Schule. Sie zeigt das alte Gebäude an der Universitätsstraße. Erbaut wurde es 1879, abgerissen 1957, als die Schulgemeinde den Neubau in der Leopold-Lucas-Straße (damals Schwangasse) beziehen konnte.

Das Bild erzielt sein Wirkung durch die skizzenhafte Leichtigkeit. Die Passanten im Vordergrund und die freie Linienführung sorgen für einen lebendigen Gesamteindruck. Gleichzeitig erklärt das Bild, woher das Stifterfenster und die Glasfenster stammen, die in die Fensterfront integriert sind, so dass sich diese historischen Zitate aus der Geschichte unserer Schule gegenseitig ergänzen.

Finanziert wurde die Mordernisierung mit der Energiesparprämie, die die Schule für einen sparsamen Umgang mit Wärmeenergie vom Schulträger erhalten hat. Die künstlerische Leitung für die Umgestaltung lag bei Herrn St. Schmidt.

Meinel

Stifter-Fenster

12.05.2011

Glasfenster

In unserer Pausenhalle kann man die schön verzierten Glasfenster aus dem früheren Gebäude der Schule in der Universitätsstraße bewundern. Vor Kopf befindet sich ein hinterleuchtetes Stifterfenster. Links in der Fensterfront sind kleine Fenster eingearbeitet, die den vier Evangelisten gewidmet sind und diese mit den üblichen Symbolen darstellen.

28.11.2017

Beschreibung

Die folgenden Informationen sind (mit freundlicher Genehmigung) der „Besonderen Lernleistung“ von Johanna Pfeiffer aus dem Jahre 2013 entnommen.

In der höheren Töchterschule in der Universitätsstraße hingen die Fenster in einer etwas anderen Anordnung im zweiten Stock in der ehemaligen Aula, welches der spätere Zeichensaal wurde: Matthäus an erster Stelle, dann kam Markus, gefolgt von dem Stifterfenster mit den Namen, welchem sich Lukas und Johannes anschlossen. Diese Reihenfolge wurde mit Ausnahme des Stifterfensters in der neuen Elisabethschule beibehalten.

Beim Betrachten der Fenster in der neuen Schule fällt auf, dass auf einigen der Fenster mit Bleistift geschriebene Zahlen zu erkennen sind (z.B. „Nr.3“). Dies deutet darauf hin, dass beim Ausbau der Fenster vor dem Abriss der Schule die Reihenfolge beachtet und die Fenster nummeriert wurden, um sie der Reihenfolge gemäß wieder einsetzen zu können.

Obwohl die Fenster eigens für die Schule gestaltet wurden, war ihre Ausführungsweise sehr ungewöhnlich. Farbige Glasfenster findet man meist nur in Sakralbauten oder politischen Gebäuden (z.B. Rathäusern). Umso bemerkenswerter ist die Tatsache, dass sie über 20 Jahre auf einem Dachboden der Elisabethschule standen und ihre Existenz in Vergessenheit geriet. Durch Zufall wurden die Fenster von Opens internal link in current windowHerrn Prätorius in den frühen 80-er Jahren des letzten Jahrhunderts wiederentdeckt. Nach seinen Angaben befanden sich die Fenster damals zwischen Setzkästen hinter der Lernmittelbücherei.

Etwa zur selben Zeit wurde der Neu- und Umbau geplant, der der Schule einen neuen Fachraumtrakt und somit mehr Platz und Möglichkeiten bescherte. Erst nachträglich wurde in die Planung die heutige Aula der Elisabethschule aufgenommen. Der damalige stellvertretende Schulleiter hatte dies angeregt, da die Durch- und Zugänge zwischen den Gebäuden sowieso einer Überdachung bedurften. Erst dieser Umstand machte es möglich, dass die Glasfenster nachträglich in die Planung der Aula aufgenommen und auch eingebaut werden konnten.

Trotz dieses glücklichen Fundes und der Integration der Fenster in die neue Schule ist unbekannt, wer überhaupt den Auftrag gab, die Fenster vor dem Abriss der alten Elisabethschule in der Universitätsstraße auszubauen und beim Umzug der Schule mitzunehmen. Es ist auch unklar, ob die Fenster direkt nach ihrem Ausbau aus der alten Schule direkt in die neue Schule gebracht wurden oder erst anderweitig zwischengelagert wurden. Nur durch Zufall fanden sie wieder zu ihrer Bestimmung.

Das Stifter-Fenster

Stifter-Fenster

Die Glasfenster der Elisabethschule sind alle fünf in Form eines Spitzbogens gestaltet. Diese Form war der Architektur der ehemaligen Aula der höheren Töchterschule geschuldet.

Das Stifter-Fenster ist hauptsächlich in den Farben rot, grün und blau gestaltet.

Im Vordergrund dieses Fensters steht der Reiter auf seinem Schimmel, welcher in der Mitte des Bildes zu sehen ist. Als zentrale Figur befindet er sich auf einem wappenförmigen Untergrund, der das Stifterfenster in verschiedene Abschnitte untergliedert. Auf dem Stifterfenster wird er in ein Kettenhemd gewandet dargestellt und trägt ein Schwert um die Hüfte gegürtet. Das Schwert ist wie das Kettenhemd in einem dunklen grau für das Metall dargestellt, der Schwertknauf golden. In seiner rechten Hand hält er ein Banner, welches an einer langen Stange befestigt ist und ein weißes Kreuz auf purpurnem Grund zeigt. In seiner linken Hand hält er die Zügel des Pferdes. Halb auf dem Rücken des Reiters, halb freistehend befindet sich ein Wappenschild hinter ihm, welcher ebenfalls das weiße Kreuz auf purpurnem Grund zeigt. Unter dem Reiter und über der Satteldecke, welche das Symbol des weißen Kreuzes auf purpurnem Grund aufgreift, ist noch ein Stück des Sattels sichtbar. Dieser ist schwarz, ebenso wie die Zügel des Pferdes. Gesicht und Hände des Reiters sind ungeschützt und in einer helleren Farbe gehalten. Auffällig ist, dass sehr detailgetreu gearbeitet wurde; Selbst Feinheiten wie Gesichtszüge, einzelne Fingerglieder, Faltenwurf der Satteldecke, Schweifhaar und Augen des Pferdes sind klar auszumachen.

Der wappenförmige Hintergrund, auf welchem sich der Reiter befindet, ist in einem dunklen Blau gehalten. Das Blau wird durchzogen von schwarzen Ornamenten an dessen Kreuzungspunkten sich goldene Kreise befinden. Das Muster ist fortlaufend und wird durch einen schwarzen Rahmen begrenzt.

Oberhalb des wappenförmig gestalteten Feldes befindet sich eine erste Nennung von Stifternamen. Die Gestaltung dieses Bereiches erfolgt in weißen und roten Streifen, welche sich der Form des unterhalb liegenden Wappens anpassen und somit eine leichte Krümmung nach unten hin aufweisen. Von unten her beginnt die Darstellung mit einem weißen Streifen, dem ein roter Streifen folgt, usw. Insgesamt sind sechs weiße Streifen vorhanden, fünf davon mit Schrift. Die roten Streifen haben etwa die halbe Breite der weißen Streifen. In den weißen Streifen ist die Inschrift mit den Namen der Stifter zu finden.
Im oberen Bereich der Streifen befindet sich ein Wappen in den Marburger Farben Rot, Weiß und Blau. Das Wappen wird diagonal von links oben nach rechts unten von einem weißen Band geteilt, in welchem der Name „Rudolph“ steht. Die rechte obere Hälfte ist Blau, die linke untere Hälfte Rot gehalten.

Die Inschrift, beginnend bei dem Wappen, dann reihenweise vorgehend, lautet:

Rudolph
Oberbürgermeister
L. Bücking / C. Majerus
R. Dohrn / G. Körner / F. Siebert
J. Höfner / W. Schneider / W. Felden
H. Berdux + / von / C. Schultz / gestaltet 1877

Aus dem Zusammenhang wird deutlich, dass sich der Name „Rudolph“ aus dem Wappen auf den Rest der Inschrift bezieht und zu ihr gehört. Die Namen sind durch schwarze Striche voneinander abgetrennt. In obiger Darstellung sind die Stellen, an denen sich die schwarzen Striche befinden durch Schrägstriche gekennzeichnet. Dabei fällt auf, dass in Zusammenhang mit dem letzten Namen dort auch geschrieben steht, von wem die Fenster gestaltet wurden. Es wird nicht gezeigt, dass die Namen und der Titel „Oberbürgermeister“ größer geschrieben sind als die Worte und die Jahreszahl „von“ und „gestaltet 1877“. Des Weiteren ist auffällig, dass hinter dem vorletzten Namen ein Kreuz eingefügt wurde, welches vermutlich den Tod der zuvor genannten Person markiert.

Rechts und links neben der Figur des Reiters befinden sich zwei Felder, deren Hintergrundfarbe dunkelrot ist. Diese beiden bilden mit der Figur des Reiters und den weißen und dunkelroten Streifen über ihm einen Spitzbogen im Spitzbogen. Dabei sind die Felder rechts und links des heiligen Reiters gegengleich gestaltet und enthalten dementsprechend dieselbe Darstellung.

Bei dieser Darstellung handelt es sich um Weinlaub, welches sich jeweils um einen von vier Rosen umgebenen, goldenen Ring rankt. Dieser Ring ist durch vier schwarze Striche, wie sie bereits im oberen Bereich des Bildes bei der Nennung der Stifter zu finden sind, unterbrochen. Die schwarzen Striche scheinen dabei die Stiele der Rosen darzustellen, da sie direkt in die stark stilisierten Rosen münden. Innerhalb des goldenen Rings befindet sich eine Verbindung von vier stilisierten Kreuzen, welche wieder ein Kreuz bilden.

Die Weinranke, welche sich um obige Anordnung rankt, bildet zur Bildmitte hin jeweils ein großes Weinblatt, zum Bildrand hin jeweils ein kleines Weinblatt aus. Im oberen Bildbereich lösen sich die Weinranken von der Kreisformation und überkreuzen sich einmal. An ihren Enden befindet sich jeweils ein Weinblatt. Diese Weinblätter stehen spiegelverkehrt zueinander.

Dieser gesamte innere Bereich wird an allen drei Seiten von vier Rändern umrahmt. Beginnend mit grün wechseln sich jeweils zwei grüne und weiße Ränder ab. Am rechten und linken Bildrand befinden sich jeweils im ersten inneren, weißen Rand weitere Namen von Stiftern. Im unteren Bildbereich befinden sich in beiden weißen Rändern Namen von Stiftern. Der untere Bildrand wird jedoch von dem wappenförmigen Feld, welches den heiligen Georg zeigt, zweigeteilt.

In der rechten und linken unteren Ecke des Fensters befindet sich jeweils ein Wappen wie es bereits über dem Reiter zu sehen ist.

Das Wappen in der linken unteren Ecke ist in den Marburger Farben Blau, Weiß und Rot gestaltet. Die blaue, obere Hälfte wird durch einen von links oben nach rechts unten verlaufenden weißen Streifen von der roten unteren Hälfte des Wappens getrennt. In dem weißen Streifen steht der Name „C. Heuser“. Unterhalb des Streifens steht „Ausschussvorsteher“ geschrieben.

Das Wappen in der rechten unteren Ecke weist einen roten Grund auf, auf welchem sich drei grüne Symbole befinden. Was die Symbole genau darstellen ist nicht eindeutig zu identifizieren. Eine Vermutung ist, dass es sich um drei Eichenblätter handeln könnte. Diese Vermutung lässt sich jedoch durch Fachliteratur nicht nachweislich belegen.

Die Stifter

Auf dem Stifterfenster sind insgesamt 33 Namen von Personen zu finden.

Beim Betrachten scheint es, als würden bestimmte Namen zusammen gehören bzw. Gruppen bilden.

In der „Aufzeichnung der Oberbürgermeister und ehrenamtlichen Magistratsmitglieder der Stadt Marburg a. d. Lahn“  sind Listen geführt, die den Oberbürgermeister und die Stadträte nennen. Diese sind chronologisch geordnet und können dementsprechend gesichtet werden.

Das Stifterfenster wurde 1877 gestaltet, 1879 wurde die alte Schule in der Universitätsstraße eingeweiht. Aus diesem Grund unterzog ich die Liste der Stadträte und des Oberbürgermeisters zu dieser Zeit sowie die vorangegangenen einer genaueren Betrachtung. Dabei war auffallend, dass erstaunlich viele Namen der Stifter unter den Stadträten zu finden waren. Dementsprechend lässt sich sagen, dass viele der Stifter damals politisch aktiv oder ehemals aktiv tätig waren.

Beim Abgleichen der Listen mit dem Stifterfenster fiel auf, dass nicht nur viele Personen aus dem Stadtrat von 1874 bis 1878 dort genannt waren, sondern alle Stadtratsmitglieder dieser Zeit auch Stifter waren.

Neben den Stadtratsmitgliedern war auch der damalige Oberbürgermeister Georg August Rudolph (Oberbürgermeister der Stadt Marburg vom 4.12.1856 bis zum 2.8.1884 ) einer der Stifter. Auf dem Stifterfenster hat er eine gesonderte, zentrale Stellung. In der oberen Dreiecksspitze befindet sich ein Wappen in den Farben der Stadt Marburg und in diesem Wappen steht der Name Rudolph geschrieben. Direkt darunter findet sich der Titel „Oberbürgermeister“.

Unter Oberbürgermeister Rudolph sind die 11 Namen des Stadtrates von 1874 bis 1878 aufgelistet. Die Reihenfolge stimmt dabei nicht mit der Reihenfolge der Stadträte in der „Aufzeichnung der Oberbürgermeister und ehrenamtlichen Magistratsmitgliedern der Stadt Marburg a. d. Lahn“ überein. Stattdessen erscheint es, als wären die Namen so angeordnet, wie sie den Platzverhältnissen und der Form des Fensters am besten entsprechen, da die Reihen nach unten hin breiter werden. Es wurde so z.B. darauf geachtet, dass zwischen den Namen keine großen Lücken entstehen und die Reihen, die eine unterschiedliche Länge aufweisen, auch alle bis zum Rand gefüllt sind.

Die letzte Reihe weist jedoch mehrere Auffälligkeiten in Bezug auf Form und Inhalt auf. Der Text, der dort zu lesen ist, lautet: „H. Berdux + / von / C. Schultz / gestaltet 1877“.

Heinrich Berdux war ebenfalls Stadtratsmitglied von 1874 bis 1878 und von Beruf her Kaufmann.  Das Kreuz, welches hinter seinem Namen steht, deutet darauf hin, dass er noch während seiner Amtsperiode verstarb, da das Fenster noch vor Ablauf der Amtsperiode gestaltet wurde. Der dahinter stehende Text „von C. Schultz gestaltet“ weist darauf hin, dass Carl Schultz nicht nur Stadtratsmitglied und Glasermeister , sondern auch der Künstler des Fensters war.

Carl Schultz war im ausgehenden 19. Jahrhundert in Marburg und dem Umland angesehen für seine Arbeiten. Seine Bekanntheit beruht auch auf dem damals berühmten Baumeister Carl Schäfer, nach dessen Vorlage Schultz oftmals Glasarbeiten für dessen Werke gefertigt hat. Zu diesen Glasarbeiten zählen unter anderem die Westfenster der Elisabethkirche, welche Schäfer entworfen hat und welche dann von Schultz gefertigt wurden. Die Fenster wurden jedoch 1963 vernichtet. Neben diesen und den Fenstern der Elisabethschule hat Carl Schultz auch die Fenster der Stiftskirche in Amöneburg gefertigt sowie die Fenster des Spiegellustturmes gestiftet, welche jedoch auch zerstört wurden. Dies zeigt, wie aktiv und bekannt Schultz wirklich war und belegt zusätzlich, dass Schultz und Schäfer seit den 1860-er Jahren eine enge Verbindung hatten. In Marburg war die Adresse seines Geschäftshauses Neustadt 24, welchem sich eine dahinterliegende Werkstatt anschloss.

Auf dem Fenster sind noch andere Namen von Stiftern zu finden. Diese befinden sich in einem Randstreifen des Fensters. Bei jenen Stiftern ist es schwer, herauszufinden, wer sie waren, was sie gemacht haben und wie es dazu kam, dass sie die Schule unterstützt haben, da es sich teilweise um weit verbreitete Namen handelt und ihre Namen die einzigen Spuren sind, die Stifter zu identifizieren. So ist es z.B. weitaus schwieriger passende Informationen zu dem Namen G. Schäfer zu finden, als zu dem Namen H. Missomelius. Erstgenannter ist in den Archivakten viel häufiger genannt, jedoch kann nicht gesagt werden, welcher Herr Schäfer zu den Schulstiftern gehört. Für den Namen H. Missomelius kommt hingegen nur eine Person infrage, was die exakte Bestimmung erleichtert. Zusätzlich wird es mit zunehmendem Bekanntheitsgrad der Person auch einfacher, sie zu bestimmen, da meist mehr Belege für eine stadtbekannte Persönlichkeit zu finden sind.

Auf dem linken Fensterrand sind sieben Personen genannt. Von unten nach oben sind dies: Ch. Hempfing, M. Dörlam, G. Schäfer, H. Wick, A. Ubbelohde, J. Wolff und O. Hess.

Moritz Dörlam war Lederhändler und Stadtratsmitglied von 1869 bis 1873 und zählt somit zu den zumindest ehemals politisch tätigen Stiftern. August Ubbelohde war unter anderem Vizebürgermeister der Universitätsstadt Marburg. Julius Wolff war Rechtsanwalt und ehrenamtlich Vizebürgermeister von 1869-1873.

Ähnliche Ergebnisse liegen zu den auf der rechten Seite genannten Stiftern vor. Dort stehen die Namen (von oben nach unten): Ch. Schaaf, J. Klee, Ph. Matthäi, G. Schippel, W. Holzhauer und H. Missomelius.

Über jene Personen sind die einzig mir bekannten Informationen, dass Georg Schippel Glasermeister und Mitglied des Stadtrates von 1869 bis 1873 war.  Zusätzlich konnte ich in verschiedenen Quellen einige Informationen zu Heinrich Missomelius finden, welcher ein Bierbrauereibesitzer in Marburg war. Weitere, nicht belegbare Vermutungen zu den Namen Matthäi und Holzhauer sind, dass es einen in den Archiven häufig genannten Besitzer von städtischen Bädern gab, der Philipp Matthäi hieß. Zu Holzhauer liegt die Vermutung nahe, dass es derselbe Holzhauer ist, der in der Oberstadt ein Geschäft für chirurgische Instrumente besaß. Zusätzlich kann zu dem Namen Berdux, der unter den Stadträten zu finden ist, die Vermutung geäußert werden, dass Heinrich Berdux der Besitzer des gleichnamigen Trachtengeschäftes in der Oberstadt war. Diese Angaben konnten jedoch mit den Ergebnissen der Recherche nicht eindeutig belegt werden.

Oben genannte Personen lassen sich zu einer zweiten Gruppe zusammenfassen. Obwohl nicht über alle Personen Informationen bekannt sind, liegt die Vermutung nahe, dass es sich bei ihnen um wohlhabende Marburger Bürger handelt, welche ein Interesse hatten, den Bau einer Mädchenschule zu unterstützen.

Ihre Gründe, die Schule zu unterstützen, müssen nicht dieselben gewesen sein und über ihre Interessen lassen sich nur Vermutungen anstellen, da über die Beweggründe der einzelnen Stifter keine Unterlagen vorliegen. Diese Gründe können beispielsweise gewesen sein, dass ein Stifter eigene Töchter und somit ein persönliches Interesse an der Gründung einer Mädchenschule hatte. Politisch gesehen war die Schule ein Aushängeschild der Stadt Marburg, denn sie stand für Fortschritt und Wohlstand und diente dem damaligen Oberbürgermeister Rudolph somit als Prestigeobjekt. Für manche Stifter könnte ein Grund gewesen sein, ihren Namen wieder ins Gespräch zu bringen und so auch persönlichen Nutzen aus dem Schulbau ziehen zu können. Neben diesen Gründen können noch viele weitere die Ursache für die Unterstützung der Schule gewesen sein. Von einem heutigen Standpunkt aus betrachtet, wird man die endgültigen Gründe, die für die Stifter eine Rolle gespielt haben den Schulbau zu unterstützen, niemals erfahren können.

Zuletzt sind unterhalb des Stifterfensters acht weitere Namen zu finden. Diese Namen sind: H. Kessler, O. v. Heusinger, G. Brog, J. Seidel, W. Hüter, C. Ackermann, C. Petri, H. Wöllenstein.

Die Namen sind auf die beiden am unteren Rand befindlichen weißen Ränder verteilt. Dabei werden beide Ränder durch das blaue, wappenförmige Feld, in welchem der Reiter zu finden ist, in der Mitte geteilt. So entstehen zwei Seiten. Auf der linken Seite sind die Namen H. Kessler, O. v. Heusinger (obere Reihe), C. Ackermann und C. Petri zu finden (untere Reihe). Auf der rechten Seite sind dagegen die Namen G. Brog, J. Seidel, W. Hüter (obere Reihe) und H. Wöllenstein (untere Reihe) aufgelistet.

Bekannt ist, dass (Dr. med.) Otto von Heusinger von 1869 bis 1873 ebenfalls ein Stadtratsmitglied war. Zusätzlich ist in der „Festschrift zur Feier des 50-jährigen Bestehens der Elisabethschule zu Marburg a. d. L. am 7. September 1929“ auf S. 10 erwähnt, dass Otto von Heusinger ein Mitglied der Stadtschuldeputation war.

Über Dr. W. Hüter konnte ich lediglich in Erfahrung bringen, dass er am 19.9.1884 eine Rede während eines Festessens im Hotel Ritter hielt. Bei diesem von den Behörden veranstalteten Festessen wurde Oberbürgermeister Rudolph verabschiedet und Oberbürgermeister Schüler ins Amt eingeführt.

Die Evangelien-Fenster

Die vier Fenster, welche die Evangelisten zeigen, sind ähnlich konzipiert wie das Stifter-Fenster. Alle fünf Fenster weisen durch bestimmte Bildelemente eine Unterteilung in verschiedene Flächen auf.

Diese Aufteilung wird maßgeblich durch eine Figur in der Bildmitte geschaffen, die ein wappenförmiger Hintergrund umgibt. Der Reiter ist die zentrale Figur des Stifterfensters; Bei den vier anderen Fenstern ist die zentrale Figur jeweils einer der vier Evangelisten des neuen Testaments.

Matthäus, Markus, Lukas und Johannes sind dabei sinnbildlich durch einen Menschen, einen Löwen, einen Stier und einen Adler dargestellt. Alle vier Figuren halten ein Banner, auf welchem der Name des zugehörigen Evangelisten geschrieben steht. Dabei unterscheidet sich die Schrift auf den Bannern der Evangelisten von der Schrift, die auf dem Stifterfenster verwendet wurde.

Der Engel, durch den Matthäus dargestellt wird, hält das Banner in den Händen waagerecht vor sich. Er trägt ein goldenes Gewand, welches von einem weißen Gürtel zusammen gehalten wird. Seine Flügel sind nicht reinweiß, sondern schimmern bläulich. Der Heiligenschein um den Kopf des Evangelisten weist eine ähnliche Farbgebung wie die Flügel auf: Er ist weiß mit einem rötlichen Schimmer. Die Gesichtszüge Matthäus sind klar zu erkennen, ebenso die Struktur seines Haares.

Das Fell des Löwen, durch den Markus dargestellt wird, ist golden und aus seinem Rücken wachsen zwei weiße Flügel ähnlich den Flügeln des Engels. Der Löwe sitzt aufrecht und ist von der Seite zu sehen. Seine Pfoten zeigen dabei zum rechten Bildrand, der Kopf blickt geradeaus. Der Kopf ist in einem dunkleren Goldton gehalten als der Rest des Fells und ihn umgibt ein Heiligenschein. Das Banner mit der Aufschrift „Markus“ hält er dabei zwischen Vorder- und Hinterpfoten.

Der Stier, durch den Lukas dargestellt wird, weist eine dunkelbraune Färbung auf. Am Kopf befinden sich zwei Hörner und ihn umgibt ein Heiligenschein. Aus dem Rücken des Stiers wachsen Flügel. Der Stier hält den Kopf in demselben Winkel geneigt, in dem er auch das Banner mit der Aufschrift „Lucas“ zwischen den Vorderbeinen hält. Der Kopf zeigt zum linken Bildrand.

Der Adler, durch den Johannes dargestellt wird, weist eine durchgehend weiße Färbung auf. Die Krallen, zwischen denen sich das Banner mit der Aufschrift „Johannes“ befindet, und der Schnabel heben sich farblich nicht vom Gefieder des Adlers ab. Der Adler ist die einzige der vier Figuren, dessen Heiligenschein nicht hell gefärbt ist, sondern eine dunkelrote Farbgebung aufweist, welche einen starken Kontrast zum Weiß des Gefieders bildet. Der Adler ist seitlich und zum rechten Bildrand blickend dargestellt.

Die Hintergründe der vier Evangelisten weisen dieselbe Gestaltung auf wie der Hintergrund des Reitersim Stifterfenster. Das wappenförmige Feld ist jeweils dunkelblau gehalten mit schwarzen Ornamenten. Die einzige Unterscheidung der Felder sind die Farben der Kreise, welche sich in dem Hintergrund befinden. Anstelle einer goldenen Farbgebung sind die Kreise bei Matthäus und Lukas dunkelrot und bei Markus und Johannes blau-grün gehalten.

Die Fläche rechts und links des mittleren Bereichs weist ebenso eine fast gleiche Gestaltung auf wie das Stifterfenster. Auch dort rankt sich Weinlaub um einen von vier stilisierten Rosen umgebenen, goldenen Kreis, in dessen Mitte sich ein ebenfalls stark stilisiertes Kreuz befindet. Der Unterschied besteht lediglich in der Farbgebung des Hintergrundes: Die Hintergründe des Stifter-Fensters sowie der Evangelisten-Fenster mit Johannes und Markus ist dunkelrot gestaltet, jene der Evangelisten-Fenster mit Matthäus und Lukas blau-grün.

Beide Hintergrundfarben werden bei der Gestaltung des Bereichs oberhalb der Evangelisten aufgegriffen. Jener Hintergrund ist dabei von einem Kreis ausgefüllt, in dem sich vier stark stilisierte Weinblätter auf schwarzem Grund befinden. Die Felder zwischen den vier Weinblättern sind dabei in der Farbe dem Hintergrund der Bereiche rechts und links des Evangelisten angepasst und dementsprechend entweder dunkelrot (Markus und Johannes) oder blau-grün (Matthäus und Lukas). In der Mitte des Kreises zwischen den vier Weinblättern befindet sich ein goldener Ring in dessen Mitte sich ein weißer Kreis befindet. In jenem Kreis wiederum befindet sich ein schwarzes Ornament.

Außerhalb des Kreises, welcher durch oben beschriebene Formation gefüllt ist, befinden sich in den Zwischenräumen zwischen Umrandung und Kreis jeweils drei Eichenblätter. Der Hintergrund zwischen den Eichenblättern passt sich dabei der Farbe der Kreise auf dem wappenförmigen Hintergrund der Evangelisten an und ist dementsprechend blau-grün bei Markus und Johannes und dunkelrot bei Matthäus und Lukas.

Gesamten, oben beschriebenen Komplex umgibt bei allen vier Fenstern ein goldener Rand, welchem ein weißer Rand folgt. In der Mitte des weißen Randes befindet sich ein schwarzer Streifen mit weißen Punkten. Diesen beiden Rändern schließt sich bei Matthäus und Lukas ein weiterer goldener, bei Markus und Johannes ein dunkelblauer Rand an.

Der Abschluss aller vier Fenster wird von einem weißen Rand gebildet.

Symbolik

Die Glasfenster der Elisabethschule zeichnet ihre starke Symbolik aus. Diese Symbolik ist der von Kirchenfenstern nicht unähnlich, da sie in ähnlicher Weise religiöse Bezüge aufweisen.

Die Gestaltung der Fenster weist aber nicht nur religiöse Bezüge auf, sondern wirkt sich auch auf das Raumbild aus. Durch die Gestaltung der Fenster in Farbe und Komposition wird der Betrachter bereits indirekt beeinflusst, ohne dass er ein fundiertes Wissen über die Bildelemente und deren Bedeutung haben muss.

Folgender Text stellt eine Auslegung von beispielhaft verwendbaren Teilaspekten der Symbolik nach gängigen Meinungsbildern dar. Da durchaus verschiedene Auslegungen und Interpretationsansätze möglich sind, ist es nicht möglich, eine absolute Aussage zu formulieren. Meine These zu der Symbolik der Fenster soll dahingehend eine wahrscheinliche Aussage über ihre Bedeutung unter Berücksichtigung ihrer Geschichte darstellen.

Bei der Betrachtung der Symbolik der Fenster sollte zwischen drei verschiedenen Symbolkomplexen unterschieden werden: Der Farbsymbolik, der Tier-/Gegenstandssymbolik und der Pflanzensymbolik.

Die Farben der Fenster können den Sinn eines Symbols oder Bildelements bestimmen, verstärken oder verändern. Um dementsprechend die volle Bedeutung eines Symbols zu erfassen, ist es notwendig auch seine Farben und deren Intensität und Lage zueinander in Relation zu setzen. Nicht immer ist die Bedeutung der Farbe klar definiert, denn es kommt häufig zu unterschiedlichen Definitionen von Farbe in verschiedenen Kulturkreisen. In Bezug auf die Glasfenster der Elisabethschule möchte ich vorrangig religiöse (christliche) Interpretationsansätze zu den Farben darstellen und erläutern.

Vorrangig sind die Fenster in drei Farben gestaltet. Diese Farben sind ein dunkles Grün, ein tiefes Blau und ein dunkles Rot bzw. Purpur.

Der Hintergrund des inneren Spitzbogens des Stifter-Fensters ist in einem dunklen Rot gestaltet. Des Weiteren findet sich die Farbe in der zentralen Darstellung des Reiters in seinem Wappen sowie jeweils in den drei kleinen Wappen in den Ecken des Fensters. Je nachdem wie die Sonne auf die Fenster fällt, variiert die Farbe zwischen einem kräftigen Rot und einem Purpur.
Die Symbolik von Rot und Purpur variiert, überschneidet sich jedoch in Teilen. So wird Rot sinnbildlich als die Farbe des Blutes, der Kraft und der Liebe sowie des (Liebes-)Feuers angesehen. Traditionell sollte Rot auch vor Verwundung und Gefahren schützen und sollte gleichzeitig das erlösende Blut Christi darstellen.

Purpur (im Gegensatz zu einem einfachen Rot) galt schon in der Antike als die Farbe von Königen und Herrschern, da Purpur die kostbarste Farbe war. Purpur wurde aus Purpurschnecken gewonnen und man brauchte durchschnittlich sechsmal so viele Purpurschnecken an Gewicht wie Stoff, wodurch purpurne Gewänder äußerst kostbar wurden. Dadurch, dass sich dies nur Herrscher leisten konnten, wurde Purpur auch die Farbe des Göttlichen (Herrschers). Dieser Umstand wird durch den purpurnen Mantel verstärkt, der Jesus von Soldaten umgehängt wurde, damit sie ihn als König der Juden verspotten konnten (vgl. Mt 27, 28).

Neben der Verwendung als Herrschersymbol steht Purpur auch als Sinnbild des Lebens bedingt durch die Ähnlichkeit mit Blut. In diesem Punkt überschneiden sich die Bedeutungen von Rot und Purpur.

Im Gegensatz zu Rot, welches wie oben beschrieben als eine „irdische“ Farbe gesehen wird, wird Blau eher dem Himmlischen zugeordnet. Neben dieser Bedeutung ist Blau aber auch Sinnbild der Dauer, der Festigkeit und Treue. Diese Bedeutung lässt sich im religiösen Sinn mit einer Bibelstelle belegen. „Das Wort des Herrn hat festgefügt die Himmel“ (Ps. 33,6). Der Himmel war dadurch etwas Dauerhaftes und etwas, was Bestand hat. Diese Dauerhaftigkeit ging weit über die Dauerhaftigkeit des Irdischen hinaus, da alles Irdische vergänglich ist.

Blaue Elemente in der Gestaltung der Fenster finden sich jeweils in der Grundfarbe des wappenförmigen Hintergrundes des heiligen Georgs, bzw. der vier Evangelisten, sowie in der Randgestaltung und in den kleinen Wappen oben in der Mitte und links unten in der Ecke am Stifter-Fenster. Jedoch hat die Farbzusammenstellung des kleinen Wappens in der Mitte des Stifterfensters vermutlich keinen Bezug zu der hier dargestellten Farbkomposition von blauen und roten Elementen, sondern geht auf die Marburger Farben Weiß (der Trennstreifen in der Mitte mit dem Schriftzug „Rudolph“), Rot und Blau zurück. Dies wird auch durch die Tatsache, dass in diesem Wappen der Oberbürgermeister der Stadt genannt ist, untermauert.

In Bezug zu den Glasfenstern, welche vorrangig in Rot und Blau gestaltet sind, bedeutet dies, dass das Himmlische mit dem Irdischen verbunden wird. Darüber hinaus geht die Interpretation sogar so weit, dass das Männliche mit dem Weiblichen verbunden wird. Da die Fenster für eine Mädchenschule gestaltet wurden, kann man sogar so weit gehen, zu sagen, dass die weiblichen Traditionen mit dem Geistigen, dem Männlichen, verbunden werden sollten.

Eine ganz andere Bedeutung hat Grün in der Farbsymbolik. Grün wird traditionell als Farbe der Hoffnung gesehen. Des Weiteren wird Grün auch als eine ergänzende Farbe gesehen, die das Auge beruhigt und „freudig stimmt“.

Die Bedeutung von Grün als Farbe der Hoffnung lässt sich in der Geschichte lange zurückverfolgen und begründen. Zu einer Zeit, als die Menschen weit mehr als heute auf das, was sie dem umliegenden Land abgewinnen konnten, angewiesen waren, bedeutete das erste Grün des Jahres das Ende der dunklen, kalten Jahreszeit. Mit dem ersten Grün in der Natur stand auch die erste frische Nahrung nach einer langen Zeit des Entbehrens und des Lebens von den Vorräten bevor. Dementsprechend steht Grün für die frisch sprossende Vegetation und die mit ihr verbundene Hoffnung (auf eine gute Ernte).

Zu beachten ist bei der Betrachtung des Stifterfensters, das rote und blaue Elemente weit häufiger vorkommen als grüne Elemente. In der Gestaltung der vier weiteren Fenster ist dahingehend nur noch ein blaustichiges grün zu finden, welches als eigentliches Grün fast nicht mehr zu identifizieren ist.

Jedes Fenster besitzt ein zentrales Bildelement in seinem Mittelpunkt. In Bezug auf das Stifter-Fenster ist dies der Reiter, in Bezug auf die vier weiteren Fenster sind dies die geflügelten Wesen in Form eines Menschen, eines Löwen, eines Stiers und eines Adlers.

In der (Gegenstands-, bzw. Tier-)Symbolik geht die Bedeutung der vier geflügelten Wesen auf die Wesen des Ezechiel/Hesekiel zurück. Ezechiel ist neben Jesaja, Jeremia und Daniel einer der vier großen Propheten des Alten Testaments. In einer Vision erschienen Ezechiel vier geflügelte Wesen, in welchen er die Herrlichkeit Gottes sah. Die geflügelten Wesen waren jedoch keine neuen Gestalten in der Geschichte. Stattdessen reicht ihr Ursprung auf einen alten babylonischen Mythos zurück, in welchem die vier Astralgötter Nergal, Marduk, Nabu und Mimurta als eben jene Wesen, die auch Ezechiel in seiner Vision erblickte, dargestellt werden und als Symbole für göttliche Macht stehen.

Später wurden die vier Wesen, von denen Ezechiel berichtet, von Irenäus und Hippolyt auf die vier Evangelisten bezogen. Die Zuordnung der Wesen beruht dabei auf dem Inhalt der jeweiligen Evangelien. Das Matthäus-Evangelium beginnt beispielsweise mit dem Stammbaum Jesu: „Abraham zeugte Isaak. Isaak zeugte Jakob. […] Jakob zeugte Josef, den Mann der Maria, von der geboren ist Jesus, der da heißt Christus.“ (vgl. Mt. 1, 1–17). Durch diese Darstellung und die Bezüge zu der menschlichen Abkunft wird Matthäus als geflügelter Mensch dargestellt. Lukas beispielsweise wird dagegen als geflügelter Stier dargestellt, weil das Lukas-Evangelium mit dem Opfer des Zacharias beginnt.

Aus obiger Darstellung des Ursprungs der auf dem Stifterfenster dargestellten Figuren, wird deutlich, dass in der Arbeit an den Glasfenstern uralte Symbolik und Tradition steckt. Die vier Wesen des Ezechiel stehen für zentrale Elemente der Bibel und der Religionslehre. Klassischerweise findet man ihre Darstellungen oft auf Kanzeln oder an ähnlichen Orten, welche in der Epoche des Barock gestaltet wurden. Dementsprechend ist die Darstellung auf den Fenstern, welche über ein Jahrhundert nach der Zeit des Barock gestaltet wurden, ein weiteres außergewöhnliches Merkmal.

Der Bildmittelpunkt des Stifter-Fensters ist der gepanzerte Reiter mit der wehenden Fahne und dem umgegürteten Schwert. Herauszufinden, wen dieser darstellt, war schwierig und selbst nach über einem Jahr Arbeit an den Glasfenstern kann ich nicht mit absoluter Gewissheit sagen, wer der Reiter ist.

Zu Anfang der Recherchearbeit wurde mehrfach die Vermutung geäußert, dass es sich bei der Darstellung des Reiters um den Heiligen Georg handelt. Für diese These sprechen die Bezüge zur Stadt Marburg, da sich vor dem Rathaus auf dem Marktplatz bereits der Georgsbrunnen befindet. Auf den ersten Blick scheint auch das mehrfach auftauchende Wappen des Reiters (ein weißes Kreuz auf rotem Grund) das des Heiligen Georgs zu sein. Nach näherer Recherche stellte sich jedoch heraus, dass es nicht das Wappen des Heiligen Georgs ist, da das Georgskreuz ein rotes Kreuz auf weißem Grund ist, der Reiter jedoch mit einem weißen Kreuz auf rotem Grund dargestellt wird. Gegen die These spricht auch, dass der Heilige Georg aufgrund seiner Legende als Drachentöter gilt und somit meist mit einem Drachen oder einer Lanze, mit welcher er gegen den Drachen gekämpft hat, dargestellt wird. Beide Elemente sind auf dem Fenster nicht zu finden, so dass keine Elemente bleiben, die für die Darstellung des Heiligen Georgs sprechen.

Eine weitere geäußerte Vermutung war, dass es sich bei der Darstellung des Reiters um Landgraf Philipp von Hessen handelt. Diese Vermutung kann durch die Gestaltung des Reiters weder belegt noch widerlegt werden, erscheint aufgrund von fehlenden Beweisen jedoch als nicht wahrscheinlich.

Eine neue These war, dass es sich bei dem Reiter um einen Ordensritter handelt. Für diese These spricht die Gestaltung des Reiters, da er wie ein Ritter auf einem Kreuzzug gekleidet ist. Da es verschiedene Ritterorden gibt, versuchte ich herauszufinden, welcher Ritterorden ein weißes Kreuz auf rotem Grund als Symbol verwendet. Der Johanniter- sowie der Malteserorden verwenden ein weißes Kreuz auf rotem Grund als Symbol, wodurch anzunehmen ist, dass es sich um einen von diesen beiden Orden handelt. Da die Malteser ein katholischer, die Johanniter ein evangelischer Orden sind, ist es wahrscheinlich, dass der abgebildete Ordensritter ein Johanniter ist, da Marburg protestantisch geprägt war. Gegen diese Theorie spricht jedoch, dass beide Orden in ihrer Darstellung ein achtspitziges Kreuz verwenden, der Reiter jedoch nur mit einem einfachen Kreuz dargestellt wird. Das Kreuz des Reiters füllt zudem die gesamte rote Grundfläche aus, das Malteser- bzw. Johanniterkreuz füllt diese nicht ganz aus.

Auf Grundlage dieser Aspekte bildete ich eine neue These, die die oben angeführten Argumente beinhaltet und abwägt. Meiner Einschätzung nach ist es wahrscheinlich, dass es sich bei der Darstellung des Reiters um einen Ordensritter handelt, da die allgemeine Gestaltung der Fenster an eine mittelalterliche, heroisierende Darstellung angelehnt ist. Von der Nennung eines bestimmten Ordens würde ich absehen, da das weiße Kreuz auf rotem Grund nicht eindeutig zuzuordnen ist. Die heute bekannten Orden verwendeten meist andere Wappen wie z.B. ein schwarzes Kreuz auf weißem Grund (Deutscher Orden). Demzufolge führt meine These darauf zurück, dass es bei der Abbildung des Reiters um keinen spezifischen Orden geht, sondern um die allgemeinen Ideale und Grundgedanken eines Ritterordens. Diese Ideale und Grundgedanken können für Lehrinhalte stehen, die in der Höheren Töchterschule vermittelt werden sollten. Diese könnten bspw. ein gottesfürchtiges Leben und barmherzige Taten beinhalten, da viele Orden nicht nur missionierten und Glaubenskämpfe führten, sondern auch in der Kranken- oder Altenpflege tätig waren.

Assoziationen, die man mit dem Begriff Ordens- oder Kreuzritter verbindet, sind z.B. Stärke, Mut, der Kampf für den Glauben oder ein tugendhaftes, den ritterlichen Grundgedanken verpflichtetes Leben. Ein Ordensritter ist ein Symbol für den reinen Glauben und ein tugendhaftes Leben. Dies kann als Vorbild für die Schülerinnen der Schule gedacht worden sein, da man auch von ihnen erwartete, ein möglichst tugendhaftes, gottesfürchtiges Leben zu führen. Ferner verkörpert das Abbild eines Ordensritters auch Stärke und Tapferkeit, was förderlich für das Bild der Schule in der Gesellschaft war. Der Ordensritter kombiniert somit Stärke und Überlegenheit mit der Reinheit des Glaubens und einem tugendhaften Leben, wodurch er als personifiziertes Idealbild fungiert.

Als letzte Komponente der Symbolik steht die Pflanzensymbolik. Die Pflanzensymbolik ist ein eher unscheinbarer Aspekt in der Darstellung der Fenster, da die zugehörigen Bildelemente auf den ersten Blick im Bildhintergrund verschwinden. Dieses „Verschwinden“ im Bildhintergrund ist auch auf die farbliche Gestaltung zurück zu führen, da die Elemente der Pflanzensymbolik (Weinblätter und -ranken, Eichenblätter, Rosen) alle farblich nicht hervorgehoben wurden, sondern weiß sind.

Achtet man jedoch bewusst auf diese Elemente, fällt auf, wie zahlreich sie sind und welche verhältnismäßig große Fläche der Fenster sie in Anspruch nehmen. So findet man beispielsweise auf allen fünf Fenstern zweifach den Komplex aus einer Weinranke, welche vier Rosen umrankt. Zusätzlich findet man auf allen vier Evangelisten-Fenstern oberhalb der Darstellung der Wesen des Ezechiel noch einen weiteren Komplex aus vier Weinblättern, die an zwei Seiten von jeweils drei Eichenblättern umgeben werden.

Eiche, Rose und Weinrebe sind klassischerweise Elemente der christlichen Symbolik. Besonders die Symbolik der Weinreibe deckt sich mit der Symbolik der Farbe Rot. Wie oben geschildert steht die Farbe Rot auch für Blut, bzw. in der christlichen Symbolik meist für das Blut Christi. Wein, als Produkt aus der Weinreibe, bzw. ihren Früchten, steht gemäß dem Abendmahl in ähnlicher Weise wie die Farbe Rot für das Blut Christi und ist somit auch ein Gottessymbol. Zusätzlich steht der Weinstock noch für die Verbindung zwischen Gott und seinen Gläubigen, bzw. die Fruchtbarwerdung des Glaubens. (vgl. Joh. 15, 1–5 „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben“).

Die Eiche hingegen wird bei vielen Völkern als Symbol für Stärke und Kraft verehrt. Der Grund für diese Bedeutung kann im Wesen der Eiche gefunden werden, da Eichen aus einem sehr harten Holz bestehen und sehr alt werden, auch wenn sie langsam wachsen.

Dadurch, dass die Eiche als Symbol für Kraft und Stärke steht (und somit in einem früheren Verständnis auch für Männlichkeit), wurde sie im 18./19. Jahrhundert als Symbol des Heldentums, bzw. des Sieges genutzt. Dies wird durch viele aus dieser Zeit noch erhaltene Stücke bestätigt. So ist z.B. auf dem Roten Adlerorden 1. Klasse Eichenlaub, welches zu einem Kranz gewunden wurde, dargestellt. Der Rote Adlerorden wurde einigen Stiftern der Elisabethschule verliehen (z.B. Christian Ludwig Bücking, welcher den Roten Adler Orden IV. Klasse bekam).

Neben obigen Bedeutungen steht besonders im christlichen Verständnis die Eiche für Gerechtigkeit. Im Zusammenhang zur Schule kann daher auch die Darstellung von Eichenlaub für eine (ge-)rechte Erziehung und Bildung stehen. Daneben kann die Maxime der Gerechtigkeit auch als potentielle Leitlinie, bzw. Hoffnung für die Zukunft der Schule gesehen werden.
Ergänzend wird die (rote) Rose als ein weibliches Symbol für Liebe und Sinnenlust gedeutet. Die weiße Rose wird hingegen der Gottesmutter Maria zugeordnet und nicht mehr als Symbol für die Sinnenlust betrachtet, sondern als Symbol des Geistes gesehen und steht im Zusammenhang mit Maria als Mutter Gottes für den „Sitz der Weisheit“. Die Rose ist so ein Symbol für geistige wie auch für sinnliche Liebe.

Mit den drei Symbolen Rose, Eiche und Wein(-ranke) werden also ganz verschiedene Aspekte der christlichen Symbolik aufgegriffen. Weiß man um ihre Bedeutung, richten sie eine ganz eigene Botschaft an den Betrachter. Unter dem Umstand, dass die Fenster für die erste Mädchenschule in Marburg gestaltet wurden, kann man die Rose ihrem ursprünglichen Sinn nach als verbindendes Symbol der Liebe (einer Mutter und Ehefrau) und des Geistes sehen, den die Schule lehren und ausbilden sollte. Die Weinranke und das Weinlaub als Symbole der Fruchtbarwerdung des Glaubens stehen auch im Zusammenhang zur Schule für die Lehre und Weitergabe des Glaubens, welches auch eine zentrale Aufgabe der Höheren Töchterschule war. Die Eiche kann das Kaiserreich, bzw. die alten preußischen Traditionen und Werte darstellen, da die Eiche unter anderem in Preußen (und im preußischen Militär) ein hoch geschätztes Symbol war. Dadurch werden die Stärke, die Gerechtigkeit und die Kraft, die im Kaiserreich und der Zugehörigkeit zu jenem steckt, sichtbar gemacht. Gleichzeitig wird mit der Darstellung von Eichenlaub auch auf starke und kräftige Generationen verwiesen, die die Schule hervorbringen soll.

Letztendlich sind oben dargestellte Auslegungen Interpretationen, wie man sie nach heutigem Wissen vornimmt. Was jedoch zur Zeit der Gestaltung und der Einweihung der Schule die eigentliche Botschaft der Fenster war, kann nicht mit Gewissheit herausgefunden werden. Besonders die Intention des Künstlers liegt, wie bei fast allen künstlerischen Werken, im Dunkeln, da keine Informationen vorhanden sind, die die Absichten des Künstlers darlegen.

Was jedoch mit Sicherheit gesagt werden kann, ist, dass die Fenster in ihrer Gestaltung und in dem Zusammenspiel der drei Symbolkomplexe aus Farb-, Tier-/Gegenstands- und Pflanzensymbolik etwas Besonderes sind. Carl Schultz, dem Künstler, ist es gelungen das Andenken an die Gründung der Schule und an ihre Stifter in einem harmonischen Gesamtwerk festzuhalten.