Holocaust-Gedenken am 27.01.2026

„Die Erinnerung darf nicht enden; sie muss auch künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen. Es ist deshalb wichtig, nun eine Form des Erinnerns zu finden, die in die Zukunft wirkt. Sie soll Trauer über Leid und Verlust ausdrücken, dem Gedenken an die Opfer gewidmet sein und jeder Gefahr der Wiederholung entgegenwirken.“

Im Jahr 1996 sprach der damalige Bundespräsident Roman Herzog diese Worte zur Begründung des bundesweiten Gedenktages an die Opfer des Nationalsozialismus.

Das Datum, der 27. Januar, wurde in jenem Jahr als Gedenktag an die Befreiung der Überlebenden des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau festgesetzt, weil im Januar 1945 Soldaten der Roten Armee auf ihrem Militärvormarsch gen Westen das größte deutsche Vernichtungslager befreiten. Bis Kriegsende im Mai 1945 folgten weitere Konzentrationslager.

Im Jahr 2005 erklärten dann die Vereinten Nationen den 27. Januar zum internationalen Erinnerungstag gegen Gewalt und Rassismus, im Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus. Nicht mehr nur die Vergangenheit stand im Blickpunkt, es sollte gleichzeitig ein Bekenntnis für Menschenwürde, Freiheit und Demokratie für die Zukunft abgelegt werden.

Seit etlichen Jahren begehen die Religions- und Ethikkurse der Jahrgangstufe 10 der Elisabethschule diesen Tag gemeinsam mit ihren Lehrkräften und Thorsten Schmermund, dem Rabbiner und Vorstand der Jüdischen Gemeinde Marburg, ausführlich vorbereitet und in würdiger Form.

In diesem Jahr kam es zu einem wunderbaren Dreiklang von Gedenkbeiträgen: Schülerinnen und Schüler der 10ten Klassen informierten über Margot Friedländer, der Holocaust-Überlebenden und jüdischen Aktivistin, die hochbetagt im Jahr 2025 verstorbenen ist. Andere Schülergruppen trugen Informationen zur Frage zusammen: „Wie ist es eigentlich zu dem Denkmal in Form des Davidsterns auf dem Schulgelände gekommen?“ – So erfuhren wir, dass die Gestaltung des Denkmals das Ergebnis intensiver Recherchen und eines Wettbewerbs von Kunstkursen der Klassen 12 und 13 in den Jahren 1991/92 des 20. Jahrhunderts war. Heutige Schülerinnen und Schüler hatten dafür drei Entwürfe per Hand auf große Plakate übertragen. Zudem wurde berichtet, dass die Elisabethschule bis zur Nazizeit etwa zwei bis drei jüdische Schülerinnen pro Klasse hatte. Nach den vorliegenden Schülerverzeichnissen haben damals um die 90 jüdische Schülerinnen die Elisabethschule besucht.

In der diesjährigen Gedenkveranstaltung folgten schließlich Schülerbeiträge, die in die Zukunft wiesen und in denen ein wichtiges Plädoyer für Menschlichkeit und Demokratie gehalten wurde.

Den Schlusspunkt bildete ein Besuch der Synagoge in Marburg mit einem offenen Gespräch zu den Fragen aller Schülerinnen und Schüler mit Thorsten Schmermund.

Danke, liebe Schülerinnen und Schüler, Danke an alle Beteiligten für ihr Mitwirken an diesem Tag.

Johannes Goebel und Ute Trautwein