“Cities that speak” – Erasmus+-Projekt in Rom

Am Sonntag, dem 8. Februar 2026, begann für uns, 15 Schülerinnen und Schüler des neunten Jahrganges der Elisabethschule Marburg, gemeinsam mit unseren Lehrkräften Stefania Sechi und Mathis Ullrich eine besondere Reise: unser Erasmus+-Projekt in Rom im Rahmen des Themas „Cities that speak“. Ziel des Austausches war es, die Stadt Rom nicht nur zu besuchen, sondern sie als Ort zu erleben, an dem historische Gebäude, Plätze und Kunstwerke Geschichten aus verschiedenen Zeiten erzählen. Unter den Leitideen „Rome through time“ und „Rome as a lived city“ untersuchten wir, wie Vergangenheit und Gegenwart im Stadtbild miteinander verbunden sind. Zusammen mit den Schülerinnen und Schülern aus Rom nahmen wir dann am Ende der Woche einen Podcast zu unseren Erfahrungen auf.

Wir trafen uns am Marburger Hauptbahnhof – noch etwas müde, aber voller Vorfreude – und starteten eine rund 24-stündige Zugfahrt Richtung Italien. Über Frankfurt ging es zunächst nach München und von dort mit dem Nachtzug weiter. Die Nacht verlief allerdings anders als geplant: Der Zug blieb mehrfach stehen, das Licht in den Schlafkabinen ließ sich nicht mehr ausschalten und an wirklichen Schlaf war kaum zu denken. Stattdessen verbrachten wir viel Zeit miteinander in den kleinen Viererabteilen, spielten Karten- und Gruppenspiele und lernten uns als Gruppe immer besser kennen – eine wichtige Grundlage für die gemeinsame Projektarbeit während der Woche.

In Rom angekommen, kauften wir zunächst Fahrkarten und orientierten uns am Bahnhof, bevor wir mit der Metro zur Station Laurentina fuhren. Dort warteten bereits unsere Austauschpartner auf uns. Nach einer herzlichen Begrüßung ging jeder in seine Gastfamilie. Am selben Abend trafen sich viele von uns wieder, um erste Eindrücke der Stadt zu sammeln: Aussichtspunkte über das nächtliche Rom, Spaziergänge durch beleuchtete Straßen oder ein gemeinsamer Besuch am Vatikan. Dabei wurde schnell deutlich, wie präsent Geschichte im Alltag der Stadt ist und wie Rom gleichzeitig historischer Erinnerungsort und lebendige Großstadt ist – ein erster Eindruck von Rome as a lived city.

Am nächsten Tag besuchten wir zum ersten Mal die italienische Schule. Schon der Morgen zeigte kulturelle Unterschiede: Während wir in Deutschland sehr pünktlich sind, fuhr unsere Gastgruppe erst wenige Minuten vor Unterrichtsbeginn los. In der Schule wurden wir von Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern sehr herzlich empfangen. Wir erhielten eine Einführung in den Schulalltag und lernten sogar typische italienische Gestik kennen. In gemischten Gruppen arbeiteten wir anschließend gemeinsam am Computer, stellten uns gegenseitig vor, beschrieben unseren Tag mit Emojis und entwickelten Ideen für einen „perfekten Tag in Rom“. Dabei diskutierten wir auch, welche Orte besonders viel über Geschichte, Alltag und Identität der Stadt erzählen. Zwischendurch gab es ein großes Buffet; spontan wurde gesungen, teilweise sogar mit Klavierbegleitung – eine sehr offene und freundliche Atmosphäre, in der man sich schnell willkommen fühlte.

Am Nachmittag erkundeten wir mit unseren Austauschpartnern die Stadt. Wir sahen unter anderem den Trevi-Brunnen, das Pantheon und verschiedene Plätze der Altstadt und probierten typische Snacks wie Supplì. Besonders spannend war zu sehen, wie Bauwerke aus unterschiedlichen Jahrhunderten bis heute genutzt werden und dadurch Geschichte im Alltag sichtbar bleibt. Viele von uns sammelten dabei Eindrücke und Gedanken für den später aufgenommenen Podcast.

Am Mittwoch arbeiteten wir zunächst an den Skripts unserer Podcasts weiter und arbeiteten die Eindrücke vom Vortag ein. Mittags fuhren wir zusammen ins historische Zentrum und besichtigten das Kolosseum. Trotz Regen war der Besuch beeindruckend. Vor allem die unterirdischen Gänge, in denen früher Gladiatoren und Tiere vorbereitet wurden, machten deutlich, welche gesellschaftlichen Vorstellungen das antike Rom geprägt haben. Im Sinne von „Rome through time“ konnten wir nachvollziehen, wie verschiedene historische Epochen noch heute im Stadtbild erkennbar sind. Danach gingen wir durch das Forum Romanum, zu dem unsere italienischen Austauschpartner kurze Präsentationen vorbereitet hatten. So wurden einzelne Orte zu Beispielen dafür, wie eine Stadt ihre Geschichte erzählt. Vom Palatin aus hatten wir anschließend einen weiten Blick über Rom und konnten erkennen, wie sich antike, mittelalterliche und moderne Strukturen überlagern. Später erkundeten wir Rom in kleineren Gruppen weiter – einige besuchten den Vatikan, andere spazierten durch die Stadt oder nutzten die Zeit zum Bummeln. Dabei erlebten wir Rom nicht nur als historische Sehenswürdigkeit, sondern auch als heutigen Lebensraum seiner Bewohner.

Am Donnerstag stand zunächst ein Museumsbesuch auf dem Programm. Gemeinsam besichtigten wir die Kapitolinischen Museen mit zahlreichen antiken Statuen und Wandmalereien, darunter Darstellungen von Augustus sowie die berühmte Wölfin mit Romulus und Remus. Anhand dieser Kunstwerke beschäftigten wir uns mit der Frage, welche Geschichten Gesellschaften über sich selbst weitergeben und wie Erinnerung durch Kunst bewahrt wird. Zurück in der Schule ging es an die Fertigstellung der Skripte und anschließend an die Aufnahme des Podcasts. Darin reflektierten wir unsere Eindrücke der Woche und beschrieben, wie uns Rom als „sprechende Stadt“ begegnet ist – sowohl durch berühmte historische Orte als auch durch Erfahrungen im Schulalltag, in den Gastfamilien und im gemeinsamen Stadtleben.  Der Podcast wird beim Gegenbesuch der italienischen Gruppe weiterbearbeitet und am Ende auf den Homepages veröffentlich. Haltet also ein Auge und Ohr offen! Am Abend trafen sich fast alle zu einer gemeinsamen Austausch-Party: Es gab Pizza und Sandwiches, wir spielten Spiele, tanzten und verbrachten ein letztes Mal viel Zeit miteinander.

Um den Podcast zu hören, kann man einfach hier klicken.

Der Freitag war bereits vom Abschied geprägt. In der Schule hörten wir die Aufnahmen des Podcasts vom Vortag noch einmal an, erhielten unsere Erasmus+-Zertifikate, überreichten ein kleines Gastgeschenk und blickten gemeinsam auf die Woche zurück. Vielen von uns fiel der Abschied schwer, denn in wenigen Tagen waren echte Freundschaften entstanden. Am Abend traten wir die Heimreise im Nachtzug an. Über Salzburg, München und Frankfurt kamen wir am Samstagnachmittag wieder in Marburg an.

Der Austausch nach Rom war für uns alle eine besondere Erfahrung. Wir haben gelernt, Städte nicht nur zu besichtigen, sondern sie als Träger von Geschichte, Erinnerungen und kultureller Identität wahrzunehmen. Gleichzeitig konnten wir erleben, wie diese Geschichte im heutigen Alltag weiterlebt. Anfangs waren viele noch nervös, doch durch die Offenheit und Herzlichkeit unserer Gastgeber fühlten wir uns schnell wohl. Wir nehmen neue Freundschaften, viele Eindrücke von Kultur und Sprache und zahlreiche unvergessliche Erinnerungen mit nach Hause.