
Vive l´amitié franco-allemande! – Eindrücke vom Frankreichaustausch 2025
Anfang Juni dieses Jahres war es mal wieder so weit: 29 Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge acht und neun standen um sechs Uhr morgens mit großem Gepäck auf dem Parkplatz des Georg-Gassmann-Stadions und warteten voller Spannung auf einen Reisebus, der sie nach Châteaillon-Plage bringen sollte, einem wunderschönen Jugendstilbad am Atlantik bei La Rochelle, um eine gute Woche in Gastfamilien zu verbringen.
Ihre Austauschpartner/innen hatten sie bereits im März kennengelernt, als die französische Gruppe in Marburg war, wo sie gemeinsam eine tolle Zeit verbracht hatten. Während die jungen Französinnen und Franzosen neben dem deutschen Schulsystem die Altstadt, das Schloss, das Jugendstilbad Bad Nauheim und – etwas für ihnen tatsächlich Unbekanntes !- den Lebensraum Wald erkundet hatten, sollte der Schwerpunkt für die deutschen Schüler/innen auf der Erkundung des Lebensraums Meer liegen.
Nach fünfzehn Stunden Busfahrt mit der Firma Jakobi, die unsere Austauschfahrten seit Jahren durchführt, und deren Chefin die Gegend mittlerweile so schätzt, dass sie vor Ort bleibt und eine Woche Urlaub macht, erreichten wir am späten Abend die École André Malraux, ein Collège, vor dessen Toren uns eine freudig winkende Gruppe aus Eltern und Schülern sowie meine langjährige Kollegin und die Schulleiterin erwarteten. Innerhalb weniger Minuten hatten sich alle Austauschpartner gefunden und die deutschen Schüler/innen ließen tapfer Unmengen von Begrüßungsküsschen über sich ergehen – ein Ritual, an das sie sich fortan schnell gewöhnten ☺
Am nächsten Morgen wurde die deutsche Gruppe dann im alten Rathaus vom Bürgermeister empfangen, der sich Zeit nahm, um vieles über seine Stadt zu erzählen und den jungen Menschen zu vermitteln, wie wichtig die deutsch-französische Freundschaft vor dem Hintergrund unserer gemeinsamen Historie ist.
Am nächsten Tag hatten alle Gelegenheit, im Collège André Malraux einige Schnupperstunden zu besuchen, in der schuleigenen Kantine mit ihren Partnern zu essen und dann – da es ein Mittwoch war, der einzige Tag, an dem französische Schüler/innen nicht bis halb fünf die Schulbank drücken müssen – an den nahegelegenen Strand zu gehen oder ihre Austauschpartner vorher noch zum Sport zu begleiten.
Am darauffolgenden Tag erkundeten dann Franzosen und Deutsche gemeinsam das Meer: mit dem Zug fuhren wir in die wunderschöne Hafenstadt La Rochelle, bestiegen ein Boot setzten zur IÎle d´Aix über, einer kleinen autofreien Insel, die es im Rahmen eines jeu de piste in Kleingruppen zu erkunden galt. Sowohl bei der Überfahrt bei beachtlichem Seegang als auch bei der Erkundungstour auf der Insel bei teils peitschendem Regen und Wind bewiesen unsere Schüler nicht nur Durchhaltevermögen, sondern hatten sogar sichtlich Spaß.
Am darauffolgenden Tag stand zunächst eine Lektion savoir vivre auf dem Programm: In Kleingruppen erhielten unsere Schüler/innen Geld und eine Einkaufszettel, um auf dem Markt und in der großen alten Markthalle Spezialitäten zu kaufen, die dann im Anschluss bei einem kleinen gouter – was so viel heißt wie „probieren“ – am Strand verkostet wurden. Hierbei zeigten sich zahlreiche Schüler/innen erfreulich aufgeschlossen, selbst gegenüber eingelegten „anchois“ und „salicorne“ (Algensalat). Frankreich wäre jedoch nicht Frankreich, wenn es im Anschluss daran nicht noch ein gemeinsames Essen in der Schulkantine gegeben hätte ☺, damit wir uns für das Highlight des Tages stärken konnten: eine Radtour entlang der Küste.
Am Abend fand dann eine kleine Party zu unseren Ehren in der Schule statt, bei der Schüler/innen, Eltern, Lehrer und das Schulleitungsteam sich austauschen konnten – natürlich bei einem Buffet mit selbstgemachten Leckereien, das die Gastfamilien gezaubert hatten.
Nach diesen erlebnisreichen gemeinsamen Tagen verbrachten unsere Schüler/innen das Pfingstwochenende in den Familien, erkundeten mit ihnen die umliegenden Inseln sowie die Hafenstadt La Rochelle und lernten vor allen Dingen viel über das Familienleben hrer Gastgeber.
Bereits während der Heimfahrt im Bus waren sich einige unserer Schüler/innen darüber einig, dass dies nicht ihr letzter Aufenthalt in Châteleillon-Plage gewesen sein soll. Derweil planen sie bereits an einem individuellen Austausch für einen längeren Zeitraum im kommenden Schuljahr.
All dies zeigt, wie sehr so ein Austausch zu Weltoffenheit und Völkerverständnis beitragen kann – und ganz nebenbei erlernt man noch die schönste Sprache der Welt. In diesem Sinne: Vive l´amitié franco-allemande!
Nicole Luigs





