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Holocaust-Gedenktag an der Elisabethschule

Seit einigen Jahren ist  an der Elisabethschule die Tradition gewachsen, am 27.Januar zusammen mit der jüdischen Gemeinde Marburg eine Gedenkfeier für die Klassen 9 (früher 10) zu veranstalten. Hierzu versammelt  sich der ganze Jahrgang vor unserem Mahnmal. Dieser Ort ist mittlerweile zu einem festen Bestandteil unserer Schule geworden.

1991 hat Thomas Perst, ein Schüler des 13. Jahrgangs – dieses Mahnmal in Form eines Judensterns im Kunstunterricht entworfen. Er ist aus Wesersandstein gefertigt und besteht aus 55 Dreiecken und einem Mittelstein mit der Inschrift „Im Gedenken an die jüdischen Angehörigen der Elisabethschule“.

Zwischen 1878 und  1938 besuchten  180  jüdische Schülerinnen unsere Schule. Sehr viele von diesen wurden Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Sie wurden entweder vertrieben  oder später, ab 1941,  deportiert,  was gleichbedeutend ist mit ermordet.

Viele der jüdischen Mitbürger hatten nicht auswandern wollen. Keiner konnte sich das Schlimmste vorstellen, viele stellten den Auswanderungsantrag zu spät oder wurden in den Exilländern nicht mehr aufgenommen. Nach dem Überfall Deutschlands auf die Sowjetunion und dem Kriegseintritt Amerikas im Jahre 1941 gab es keine Flucht mehr nach Übersee und die erste Deportationswelle rollte an.

Alle Altersstufen von unseren ehemaligen Schülerinnen wurden von dieser Welle erfasst. Dina Lucas, die Schwester von Dr. Leopold Lucas, war mit 75 Jahren die Älteste, Marion Reis mit 17 Jahren die Jüngste.  Ihrer aller Leben - es waren mindestens 39, d.h., fast ein Viertel unserer jüdischen Schülerinnen  und das der stellvertretenden Schulleiterin Hedwig Jahnow - endete gewaltsam in den Konzentrationslagern im Osten Europas.

Mit dieser jährlichen Gedenkfeier am 27.Januar wollen wir zusammen mit der jüdischen Gemeinde die Erinnerung an diese Schülerinnen, die Teil unserer Schulgeschichte sind,  wachhalten. Deswegen nennen wir ihre Namen und Schülerinnen und Schüler legen zu ihrer Ehre Blumen am Mahnmal nieder.

Abschließend betet Amnon Orbach, der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde den Kaddisch, das jüdische Totengebet.

Im Anschluss an die Gedenkfeier in der Schule  besucht  der gesamte Jahrgang die Synagoge, wo Amnon Orbach den Schülerinnen und Schülern  die Geschichte der jüdischen Gemeinde nach dem Krieg und jüdisches Leben in Marburg heute  vorstellt.

01.02.2012

Holocaust-Gedenktag 2012

Rückblick auf die Gedenkfeier am 27.1.2012

Nina Habermann, 9c

Viele der jüngeren Schüler kennen den Begriff Holocaust noch nicht und für manchen  ist das  Mahnmal nahe dem Haupteingang  der Elisabethschule  vielleicht der erste Berührungspunkt mit diesem Thema.  Neuankömmlingen in unserer Schule fällt das Mahnmal recht bald auf, doch die Bedeutung ist zunächst unklar. Man erkennt zwar den Stern, doch kann man keinen unmittelbaren Zusammenhang mit der Elisabethschule Marburg herstellen.

Denn warum haben wir vor unserer Schule einen Judenstern – und noch dazu einen zerbrochenen? Welcher Künstler hat das Mahnmal geschaffen?  Das Interesse beginnt zu wachsen und man erkundet Stück für Stück die Geschichte hinter dem steinernen  Mahnmal.

Antworten  auf diese  Fragen lassen sich finden  durch Schulprojekte, den regulären Unterricht  – Religion und Geschichte –  oder durch   Befragen der Lehrer. Dann merkt man wie betroffen man wirklich ist.

Manch einer mag sich trotzdem die Frage stellen: Und was hat das mit mir zu tun?

Eine ganze Menge, wie besonders an dem alljährlichen Gedenktag deutlich wird:  Denn wie unvorstellbar es auch sein mag, es waren Schülerinnen dieser Schule, denen  Grausamkeiten angetan wurden, nur aufgrund ihrer Religion. Außerdem ist, obwohl der Großteil der Bevölkerung sich sehr ungern an diesen Teil der deutschen Geschichte erinnert, das Thema immer noch nicht abgehakt. Denn auch heute gibt es noch judenfeindliche Gruppen, Fremdenfeindlichkeit  und rechtsextremistische Anschläge hier in Deutschland. 

Diese Erkenntnis berührt und rüttelt wach. Veranstaltungen wie diese Gedenkfeier haben den gleichen Effekt und führen dazu, dass man sich verstärkt mit diesem Thema auseinandersetzt und sich entschieden gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit wendet. So halte ich die Feier für sehr sinnvoll, auch weil wir somit allen zeigen:  Wir haben nicht vergessen. Wir fühlen uns verbunden. Wir wollen, dass  alle Menschen die gleichen Rechte haben.

Es ist wichtig, den nachfolgenden Generationen weiterzugeben, dass diese jüdischen Schülerinnen Teil unserer Schulgeschichte sind und uns deswegen angehen. Deswegen ist es wichtig, die Erinnerung an sie, besonders an diesem Gedenktag,  wachzuhalten.

Ich persönlich fand die Gedenkfeier am Mahnmal sehr bewegend, besonders aber das Vortragen des Kaddisch, (des jüdischen Totengebets für die Märtyrer des Holocaust) durch Herrn Orbach.

Bei dem  sich anschließenden  Besuch in der Synagoge wurden wir sehr freundlich empfangen, von Herr Orbach durch die Jahre  der jüdischen Gemeinde  in Marburg  geleitet und gewannen so einen umfassenden  Einblick in deren  besondere Situation.

 Mitgenommen haben wir aus der Veranstaltung viel neues Wissen und die Erkenntnis, dass wir dankbar für unser vergleichbar einfaches und vor allem freies Leben sein müssen, was nicht jedem so gegeben wurde.

 

27.01.2011

Holocaust-Gedenktag am 27. Januar 2011

Auch in diesem Jahr fand in der Elisabethschule die traditionelle Gedenkveranstaltung zur Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau statt, zu der sich Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 9 und 10 zu einer Andacht am Denkmal vor der Schule versammelten.

Amnon Orbach, der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Marburg und der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit e.V., sang wie in den Jahren zuvor den Kaddish, ein Totengebet in hebräischer Sprache, das die Opfer der Shoah betrauert.

Im Anschluss daran begab sich die Gruppe in die Marburger Synagoge in der Liebigstraße, wo Herr Orbach über das Leben der jüdischen Gemeinde Marburgs berichtete, das Gebäude und seine Geschichte erklärte und über den jüdischen Glauben, den Gottesdienst und den Alltag des jüdischen Lebens erzählte. Seine große Ausstrahlung und die Lebendigkeit seines Vortrags haben die Schülerinnen und Schüler tief beeindruckt.

Ebenfalls zum Gedenktag wurde im Staatsarchiv Marburg eine Ausstellung mit Schülerarbeiten eröffnet. Siehe den Öffnet externen Link in neuem Fenster[OP-Artikel]. Diese Ausstellung und die Erinnerung an die Öffnet externen Link in neuem FensterJüdischen Schülerinnen an der Elisabethschule (Experiment-Sonderheft) wurde in einer eMail an die Schule aus den USA ausdrücklich gewürdigt. Des weiteren äußerte die Schreiberin den herzlichen Wunsch, diese Webseite ins Englische zu übersetzen, ihr selbst habe die Seite ermöglicht, zahlreiche Verwandte zu finden.