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14.09.2016

Mayku über sein Jahr an der Elisabethschule

Hallo mein Name ist Mayku. Ich komme aus La Paz in Bolivien. Ich möchte euch kurz über meine Eindrücke und Erfahrungen während meines einjährigen Aufenthaltes in der Elisabethschule berichten.

Von Montag bis Donnerstag konnte ich in praktischen Fächern wie in Musik und in der Küche helfen, wenn die Schüler/innen der Klassen 5 unterrichtet wurden, die etwa elf/zwölf Jahre alt sind. Die Klasse schien mir sehr interessant, da sie sehr lebhaft im Unterricht dabei war. In der Küche war die gute Ernährung ein wichtiges Thema. Die Schüler/innen erfuhren auch etwas über die Herkunft und die Entstehung der Lebensmittel. Sie setzten dann das Gelernte um, indem sie gesundes Essen bereiteten.

Dazu gehörte auch die Arbeit im Garten, wo verschiedene Gemüse (wie Möhren und Rettich), aber auch Salat angebaut wurden. Darüber hinaus konnten wir in diesem Jahr einen Teil des alten Gartens der Schule zu neuem Leben erwecken, wo wir Kartoffeln und Mais angebaut haben. Es hat mich sehr gefreut zu sehen, wie die jüngsten Schüler/innen eingebunden waren in die Arbeitsabläufe im Garten, da es mich sehr an unseren eigenen Schulgarten in der Kurmi Wasi Schule erinnerte. Im Garten mussten sie die Pflanzen gießen und Wildkräuter entfernen, kleine Kisten aus Holz bauen und vor allem diesem schönen Ort Zeit und Aufmerksamkeit widmen.  

Im Musikunterricht bestand meine Aufgabe zunächst darin, mich mit der Gitarre neben die Schüler/innen zu setzen und ihnen die richtige Haltung und Sitzposition zu zeigen. Schließlich gab der Lehrer Anweisungen zur Technik, beispielsweise zum Einhalten des Rhythmus, zur Bindung von Noten oder zur Position der Hände auf dem Griffbrett und beim Schlagen der Saiten. Gleichzeitig lernten sie nach Noten zu spielen. Für mich gehörte es zu meinen schönsten Erlebnissen in der Elisabethschule, wenn ich sah, wie sich die Lernenden an der Musik erfreuten, wenn sie die Saiten zum Klingen bringen konnten und ihnen Melodien entlockten.

Ein besonderes Ereignis war für mich auch die Mitwirkung am großen La-Paz-Tag, an dem ich zusammen mit meinem ecuadorianischen Mitspieler den Zuhörern Musik meiner bolivianischen Heimat nahebringen konnte.

Für all diese schönen Augenblicke im Garten, im Musikunterricht und in den sonstigen Schulveranstaltungen danke ich der Elisabethschule und ihren Lehrerinnen und Lehrern, die mich dabei begleiteten und mir immer hilfreich zur Seite standen.

14.09.2016

Diana Vargas aus La Paz über ihr FSJ bei uns

Zunächst möchte ich der Elisabethschule danken, dass sie mir die Gelegenheit gab, in eine andere Welt einzutauchen, Dinge auf eine andere Art und Weise zu machen, eine andere Sprache zu lernen, mich einer anderen Kultur anzunähern und viele Menschen kennen zu lernen, die so angenehm und liebenswert waren.

Bemerkenswert für mich waren die Unterschiede, die ich zwischen der Elisabethschule und der Kurmi Wasi Schule feststellen konnte: Die Kurmi Wasi Schule ist eine sehr kleine Schule mit etwa 150 Schülern und Schülerinnen, die sich alle kennen. Bei den vielen SuS der Elisabethschule und der Größe des Lehrkörpers war ein solches intensives Kennenlernen kaum möglich.

In der Kurmi Wasi Schule gibt es viele Klassen- und Jahrgangsübergreifende Kurse, die unter einem bestimmten Motto stehen, welche dann unter verschiedenen Gesichtspunkten, wie mathematisch, sprachlich, biologisch, physikalisch usw. abgehandelt werden. Themen können sein: Wasser, Holz, Berge, die verschiedenen Tiere, die auf dem Schulgelände gehalten werden oder die Pflanzen des schuleignen Gartens.

Wir haben keine Cafeteria wie in der Elisabethschule. Das Essen wird  in der Schulküche zubereitet und es muss nichts dafür bezahlt werden.  Außerdem bringen alle jeden Montag und Freitag etwas zur Essenzubereitung mit. Alle essen so das gleiche, unabhängig von den finanziellen Möglichkeiten der Eltern. Zugleich wird auf gesundes Essen wert gelegt, dessen Zutaten alle aus unserem eigenen Land kommen.

Am Freitag finden jeweils Versammlungen der gesamten Schulgemeinde statt. Hier werden die Kurse mit ihren Ergebnissen vorgestellt. Sie dienen dazu, selbstkritisch mit sich und der geleisteten Arbeit umzugehen.

Alle neuen oder jüngeren SuS haben ältere und erfahrene SuS als Paten, die ihnen helfen, bei schulischen  Problemen zurecht zu kommen. Das gibt den älteren SuS ein Minimum an Verantwortung für eine andere Person. Besonders wird an unserer Schule auch darauf geachtet, dass jede/r nach ihren/seinen Fähigkeiten gefördert wird und niemand wegen seines Geschlechts , seiner sexuellen Orientierung oder seiner Volkszugehörigkeit diskriminiert wird. Diese Vorgabe ist für unser Land und schließlich den Mikrokosmos Schule besonders wichtig, da der “machismo” noch nicht ausgerottet ist und die indigene Bevölkerung, zu der ich auch gehöre, erst in den letzten Jahren die Gleichberechtigung  erkämpfen konnte, obwohl ihr Anteil an der Bevölkerung etwa 50 % ausmacht.  

Meine Erfahrungen in der Elisabethschule

Der Winter in Marburg ist nicht so schön wie der in LaPaz. Bei uns scheint im Winter ständig die Sonne bei Temperaturen zwischen 14 und 17 Grad.  In der Sonne kann es allerdings sehr heiß werden. In er Nacht liegen die Temperaturen in der Regel  bei etwa 2-3 Grad unter Null. Hier in Marburg musste ich mich erst an Nebel und Nieselregen gewöhnen.

Auch die Schule unterscheidet sich sehr von meiner Schule in La Paz. Die Anzahl der Lehrerinnen und Lehrer sowie der Schülerinnen und Schüler  ist hier fast zehnmal  höher. Dazu kam für mich noch Deutsch als Fremdsprache. Ich hatte zwar ein wenig Deutsch mit den Marburer Freiwilligen an der Kurmi Wasi Schule gelernt, aber es fehlte mir doch die Übung darin und ich merkte schnell, dass die Sprache unabdingbar ist  für den Aufenthalt in Marburg und an der Elisabethschule. Mein Bestreben ging jedenfalls dahin, so schnell wie möglich soweit Deutsch zu lernen, dass ich mich einigermaßen verständigen konnte.

So konnte ich in einigen Klassen von Frau Pfefferl  bei Projekten in den fünften Klassen helfen, welche denen in der Kurmi Wasi Schule ähnelten. Hier ging es vor allem darum, nach Rezepten gesundes und nahrhaftes Essen zu kochen. Mit den Jüngeren zusammen zu sein, half mir sehr beim Erlernen der deutschen Sprache.

Ich besuchte auch Spanischklassen, um zu erfahren, wie man hier meine Sprache lernt und welche Themen behandelt wurden. Doch einige Monate vor Ende des Schuljahres hörte ich damit auf, da ich merkte, dass ich dabei wenig Deutsch lernte. In der ersten Aprilwoche begleitete ich als “Helfer” einen Spanischkurs beim Austausch mit einer Schule in Andalusien. Das war die geschäftigste Woche des ganzen Jahres, da dort viele Aktivitäten stattfanden. Mein Alter half mir dabei sehr, Kontakt zu den Schülern und Schülerinnen zu finden und mich auf Deutsch zu unterhalten, da wir viele gleiche Interessen hatten.  Wie schon in Marburg waren auch in Andalusien viele bedeutsame historische Monumente zu besichtigen, wie die Giralda in Sevilla oder Baelo Claudia, eine römische Stadt, deren Ruinen immer weiter ausgegraben werden. Am stärksten hat mich dort das römische Theater beeindruckt , wie auch das in Cadiz, welches allerdings nicht so gut erhalten ist.

Ich möchte nochmals allen danken, die mir meinen Aufenthalt in Marburg an der Elisabethschule ermöglicht haben. Es war für mich eine einzigartige Erfahrung. Ich hoffe, dass das Austauschprogramm weitergeführt werden kann, so dass viele Jugendliche diese Erfahrungen hier in Deutschland aber auch in Bolivien machen können.

07.11.2014

Besuch in La Paz

Thomas Meinel, Neffe des Schulleiters und gerade mit dem Fahrrad durch Südamerika unterwegs, besuchte am 23.10.2014 die Kurmi Wasi Schule und schickte uns folgenden Bericht:

Von Tobias Meinel aus Marburg hatten wir die Adresse der Schule „Kurma Wasi“ (Regenbogen) bekommen, die in einem Vorort von La Paz/El Alto liegt. Da es uns natürlich interessiert, wo die Hilfe der Elisabethschule hinfließt und was daraus wird, klingeln wir den FSJ-ler Tim an, der super nett ist und uns zum Kennenlernen einlädt. Wir sind überrascht, dass uns der Schulbus sogar fast vor der Haustür im Zentrum abholt, obwohl die Schule weit außerhalb liegt. Weiterer Grund zum Wundern: Niemand steht – es gibt reservierte Plätze! Wir erinnern uns noch an die Prügeleien bei uns im Bus und an den Verliererplatz zwischen Scheibe und Rucksack des Nebenmanns. Die Kinder sind ausgesprochen liebenswürdig und brav.

Der Campus der Schule würde wohl so manche deutsche Schule vor Neid erblassen lassen. Auf einem Grundstück am Hang mit Blick über die Berge ringsum stehen kleine Gebäude, die eher an eine Ferienkolonie als an eine Schule denken lassen. Auf dem Hof grasen Schafe, ein Lama und Hühner gackern umher. Jede Klasse kümmert sich um eine Tiergattung. Außerdem gibt es ein Gewächshaus, ein Theater, lichtdurchflutete Räume, eine Kantine, Fußballplatz und reichlich Freifläche. Da heute zufällig das Stadtfest des Ortes ist, fallen die meisten Klassen wegen eines Umzugs aus und wir dürfen uns die Aymaraklasse anschauen. Aymara ist die eigentliche Sprache der Gegend, die heute aber nur noch die Bauern als Muttersprache lernen. Wir klatschen und singen aus voller Kehle mit und lassen beim Auqui-Auqui, dem dazu passenden Tanz die Hüften kreisen. Natürlich lassen uns die Kids blass aussehen.

Die Atmosphäre ist sehr locker. Mehrfach stehen Schüler auf, unterbrechen die Lehrerin oder schlagen ein anderes Lied vor. Die Schule ist gemäß Montessori-Konzept aufgebaut und erlaubt derlei Freiheiten. Allerdings gibt es kaum Gemeinheiten und die Schüler gehen rührend miteinander um. Pro Jahrgang wird auch ein geistig oder körperlich behindertes Kind in die Klassen aufgenommen und die Integration gelingt fantastisch. Ganz anders die anderen Schulen des Ortes, die beim Aufmarsch am Hauptplatz den Eindruck erwecken, das Wichtigste sei die blitzende Uniform, der Gleichschritt beim Aufmarsch und das Strammstehen bei der Nationalhymne.

Nach dem köstlichen Mittagessen haben wir noch die Chance, Karin Boller, die Gründerin der Schule, kennen zu lernen, die mittlerweile nur noch „normale“ Lehrerin an der Schule ist. Sie erläutert uns den langen Weg der Gründung mit bürokratischen Strapazen, den Start in einem Privathaus ohne Alles, die immense Hilfe für den Aufbau des heutigen Campus durch die deutschen Gelder und den Weg zur selbsttragenden Finanzierung. Die Schule ist im Gegensatz zu den staatlichen Schulen nicht umsonst und kostet pro Kind ca. 70 Euro/Monat. Damit nicht nur reiche Bolivianer ihre Kinder hierherschicken, wurden vor zwei Jahren noch 60% durch Mehrbeiträge Wohlhabender subventioniert. Das allerdings sei nicht mehr tragfähig und daher würden nun nur noch ca. 40% unterstützt. Die Schüler kommen zu gleichen Teilen aus dem eher reichen Zentrum und dem neureichen Süden, dem armen El Alto und dem sehr armen Ort selbst. Können sich Eltern das Schulgeld nicht leisten, helfen sie oft an einem Tag der Woche in der Küche mit. So werden Arm und Reich gemeinsam groß – der dritte Jahrgang absolvierte gerade das „Abitur“ mit unglaublich vielen Unikarrieren im Anschluss.

Außer Tim sind auch noch Claudia und die Schweizerin Maya – allesamt FSJ-ler nach dem Abi – zur Unterstützung der Lehrerschaft und Mithilfe in der Schule da. Natürlich eine ungemeine Stütze und Bereicherung für die Kinder, denen so neben gutem Englischunterricht auch der Kontakt zur europäischen Kultur ermöglicht wird.