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22.02.2016

Als Hilfslehrer in Ghana (Tom Krusche)

Seit gut 4 Monaten bin ich jetzt in Ghana und möchte mal ein bisschen von meinen Erfahrungen und Erlebnissen berichten.

Ich bin in einer Privatschule im Norden der Hauptstadt Ghanas, Accra, untergebracht. Hier arbeite ich als Unterrichtsassistenz und Mathelehrer der dritten Klasse. Die Schule beherbergt etwa 500 Kinder und beinhaltet einen Kindergarten, für Kinder ab 2 Jahren, sowie eine Preparatory School, die bis zur 6. Klasse geht. Jede Klasse umfasst ca. 25 bis 40 Kinder.

Das Bildungssystem ist folgendermaßen aufgebaut: Der Kindergarten ist mit der deutschen Vorschule zu vergleichen und ist meines Wissens freiwillig. Hier bekommen die Kinder ab dem 2. oder 3. Lebensjahr schon erste Eindrücke von Zahlen und Buchstaben.

Ab der 1. Klasse besteht eine Schulpflicht, die jedoch gelegentlich wegen Geldmangels nicht wahrgenommen werden kann.

Das Schulsystem ist in drei Abschnitte gegliedert. Kinder beginnen das Schulleben mit der Preparatory School, in der auch ich arbeite, und gehen anschließend 3 Jahre auf die Junior Highschool (Mittelstufe). Mit Abschluss der JHS gehen die Kinder auf die Senior Highschool (Oberstufe), die man aber nur mit entsprechenden Leistungen und finanziellen Mitteln besuchen darf. Jedoch ist es erst nach der SHS möglich, sich an der Uni einzuschreiben. Alle 3 Monate beginnt ein neuer Term der mit dem Ablegen einer Abschlussprüfung des vorhergehenden Terms beginnt.

Lehrer brauchen für eine Anstellung an einer Privatschule häufig keine besondere Ausbildung, Lediglich ein SHS Abschluss wird erwartet. Für die Anstellung an einer staatlichen Schule müssen sich die Lehrer einer besonderen Ausbildung unterziehen. Ich weiß leider nicht, wie lange diese dauert und wo man jene absolviert.

Das Gehalt von Lehrern ist unterschiedlich. Ich weiß nur über das Einkommen 2er Kollegen Bescheid, die 18 und 19 Jahre alt sind. Sie verdienen monatlich 150 Cedi, das entspricht ca. 37,50 Euro. Mit fortschreitender Berufserfahrung steigt das Einkommen meines Wissens.

Das Schulwissen wird den Kindern von den Lehrern größtenteils als Frontalunterricht vermittelt. Bei Unwissenheit fragen Schüler selten nach, wahrscheinlich weil die Lehrer häufig nicht auf individuelle Fragen eingehen. Oftmals wird der zu behandelnde Stoff an die Tafel geschrieben und dann gemeinsam mit dem Lehrer vorgelesen und abgeschrieben. Ausführliche Erklärungen sind selten.

An den meisten Schulen ist eine gängige Erziehungsmaßnahme das Schlagen mit dem Rohrstock, um für Ruhe, Disziplin und Ordnung zu sorgen. Auch bei falschen Antworten kann dies der Fall sein, ist aber vom jeweiligen Lehrer abhängig. Grundsätzlich wird versucht, diese Art von Erziehung zu verringern.

Ein Schultag in meiner Einsatzstelle, der OBEK Preparatory School, beginnt mit dem Assembly um 8 Uhr. Hier stellen sich die Schüler den Klassen nach geordnet auf und singen die Nationalhymne. Anschließend marschieren sie von Trommeln begleitet in ihre Klassen, wo als erstes die Anwesenheit überprüft wird. Daraufhin beginnt der Unterricht und endet gegen 15:45, unterbrochen von einer 30 minütigen Pause um 10 und einer 1-stündigen Mittagspause um 12. Alle Kinder bekommen Mittagessen; Reis, Bohnen, Maisbrei und Kochbananen werden serviert.

Meine Aufgaben als Unterrichtsassistenz bestehen darin, die Hausaufgaben und Unterrichtsübungen zu korrigieren und zu bewerten. Außerdem unterrichte ich täglich die 3. Klasse in Mathe, was oftmals keine leichte Aufgabe ist, da die ca. 40 Schüler nicht leicht unter Kontrolle zu halten sind.

Manchmal übernehme ich auch einen ganzen Tag, wenn die Klassenlehrerin mal krank oder anderweitig beschäftigt ist. Außerdem unterrichte ich zusammen mit meiner Mit-Freiwilligen Maja die Klassen 4 bis 6 in Deutsch. Wenn ich mal nichts zu tun habe, was nicht gerade selten vorkommt, lese ich Romane oder bereite den Matheunterricht vor.

In absehbarer Zeit werde ich zusätzlich noch eine kleine Nachhilfeklasse für die Schüler betreuen, die noch in den höheren Stufen Schwierigkeiten mit Lesen und Schreiben haben.

Das Unterrichten in Deutsch, gerade in den oberen Klassen, gefällt mir sehr, da diese sich mit viel Motivation an die ihnen so fremde Sprache wagen. Ich setzte in meinem Unterricht ausschließlich auf die mir aus Deutschland bekannten Unterrichts- und Erziehungsmethoden. Insbesondere in der 3. Klasse fruchten diese Methoden nicht, wie ich es mir erwünsche, die Schüler sind die hier typischen Erziehungsmethoden gewöhnt und nutzen es aus, dass ich den Stock ablehne. Trotzdem unterrichte ich auch hier sehr gerne.

Anfangs war ich von dem mir zugeteiltem Projekt etwas enttäuscht, da ich nicht den Eindruck hatte, wirklich gebraucht zu werden. Die Schule ist sehr wohlhabend und gut ausgestattet, es sind genügend Lehrer angestellt. Der Deutschunterricht wurde mitunter aufgrund Beschäftigungsmangels unsererseits in die Welt gerufen. Mittlerweile bin ich jedoch zufrieden mit meiner Einsatzstelle da mir mit dem Mathe-, Deutsch- und dem baldigen Nachhilfeunterricht richtige Tätigkeiten und Verantwortung übertragen wurden, was zu Anfang noch nicht der Fall war.

Außerdem habe ich mir bewusst gemacht, dass man als Freiwilliger nicht die Erwartung haben sollte, sofort eine tragende Rolle in seinem Projekt zu übernehmen. Die Schulen, Waisen- und Krankenhäuser, in die FSJler entsandt werden, kommen in der Regel auch ohne fremde Hilfe aus dem Ausland zurecht.

Unterkunft und Verpflegung bekomme ich von der Gastfamilie des Schuldirektors, die direkt in der Schule wohnt. Ich habe jedoch ein eigenes kleines Zimmer mit Kokospalme und sehr freundlichen Nachbarn in unmittelbarer Nähe der Schule. Meine Familie besteht aus dem Gastvater, der zwar Schulleiter ist, aber in einem Krankenhaus in Accra arbeitet, meiner Gastmutter, die einen kleinen Kiosk in der Schule führt und sehr gut kocht, und 3 Gastschwestern. Sie sind 23, 15 und 11 Jahre alt, mit ihnen verstehe ich mich sehr gut. Des Weiteren wohnen in der Schule der Busfahrer und die 4- jährige Maminimo, die mir sehr ans Herz gewachsen ist. Maja, meine Mitfreiwillige, wohnt auch direkt in der Schule.

In meiner Freizeit nach der Schule treffe ich mich mit Freunden im Viertel, unterhalte mich mit Nachbarn, erkunde die Umgebung oder wasche meine Wäsche. Viel Zeit verbringe ich auch mit meiner Gastfamilie, dann quatsche ich mit meinen Gastgeschwistern, spiele mit Maminimo oder helfe mal im Haushalt.

An den Wochenenden reise ich häufig. Mehrmals habe ich den idyllischen Küstenort Winneba besucht, der eine Art Treffpunkt der Freiwilligen geworden ist. Hier kann man sehr gut entspannen und baden. Auch mehrmals besucht habe ich die ehemalige Hauptstadt Ghanas, Cape Coast. Sie hat ein interessantes Sklavenfort und weitere schöne Bauten der Kolonialzeit sowie einen nahe gelegenen Nationalpark, in dem man auf einer Art Hochseilgarten durch die Baumwipfel des Regenwalds laufen kann.

In den Weihnachtsferien habe ich mit Maja und 5 weiteren Freiwilligen eine Reise in den Norden unternommen. Der 12-tägige Trip ging über die Städte Kumasi, Techiman und Tamale bis in den Mole Nationalpark, der sich für seine tollen Elefanten-Safaris auszeichnet. Besichtigt haben wir auch einen Felsenschrein nahe Techiman, mehrere Märkte, aufregende Wasserfälle in Kintampo  und das Fest der „Chiefs“, einer Prozession Tausender Menschen am Silvestertag durch die Straßen Tamales, um den Oberhäupter der Region zu huldigen. Im Nationalpark haben wir Elefanten beim Baden beobachtet, sich sonnende Krokodile und freche Affen, die uns das Frühstück geklaut haben. Fortbewegt haben wir uns mit sogenannten Trotros, das sind einfache Kleinbusse, sie sind das Hauptfortbewegungsmittel in Ghana. Auf den Fahrten wird oft gesungen oder ein Priester predigt.

Ghana ist sehr religiös, sowohl der muslimische Norden, als auch der christliche Süden. Jedes Wochenende geht man in eine der unzähligen, häufig sehr einfach aufgebauten Kirchen. Für den teilweise mehrstündigen und meistens in der Landessprache Twi vorgetragenen Gottesdienst wird sich immer sehr schick angezogen. Großzügige Kirchenspenden der Gemeindemitglieder sind üblich, selbst wenn die Spender nicht viel Geld haben. Auch außerhalb des Gottedienstes spielt der Glaube eine übergeordnete Rolle, es wird zum Beispiel in der Schule und Trotros gebetet und überall hängen riesige Plakate von Priestern, die für ihre Gottesdienste werben oder christlichen Botschaften übermitteln. Wenn man Ghanaer in der Öffentlichkeit lesen sieht, ist es häufig die Bibel oder ein anderes Buch mit religiösen Inhalten.

Die Unterkünfte der Menschen gehen von einfachen kleinen Hütten aus Lehm, Stein und sogar Holz mit Plumpsklos vor der Tür, bis zu großen, gut gesicherten Villen. In meinem Viertel ist beides anzufinden, letzteres aber häufiger. Gekocht wird entweder auf einem Kohlentopf vor dem Haus oder drinnen auf einem Gasherd. Ans Stromnetz ist, zumindest in dem Teil Ghanas, den ich gesehen habe, so gut wie jeder angeschlossen. Allerdings ist die Stromversorgung sehr schlecht, ein Großteil der Energie wird aus einem Staudamm gewonnen. Aufgrund von geringem Regenfall im letzten Jahr und einem weiteren, neuen Staudamm des Nachbarlandes Burkina-Faso am Versorgerfluss des für Ghana Energie liefernden Stausees umfasst dieser wenig Wasser und liefert wenig Energie. Zusätzlich ist man an einen Vertrag mit Togo gebunden, an das man viel Energie abgibt. Die Bevölkerung leidet deshalb unter häufigen, mehrere Stunden oder Tage anhaltenden Stromausfällen. Gerade für Firmen und Betriebe ist das ein großes Problem, da sie bei Stromausfällen auf kostspielige Generatoren angewiesen sind. Darunter leidet die Wirtschaft sehr.

Für das Essen in den Familien Ghanas sorgen fast ausschließlich die Frauen. Der Vater, der „Head of the Family“, ist häufig der einzige Berufstätige, während sich die Frau um den Haushalt kümmert. Hilfe bekommt sie von ihren Töchtern. Jungen müssen kaum im Haushalt helfen. Gekocht werden die für Ghana typischen Gerichte wie Banku, einem säuerlich zähem Maisbrei, den man mit Soße genießt, Fufu, einem aus Cassava, einer Wurzel, und Kochbananen gestampften Kloß, der ebenfalls mit Soße serviert wird, sowie Reis und Yam, einer Art Kartoffel. Häufige Beilagen sind Fisch und Huhn sowie Salat und Stew aus Tomaten und viel Öl. Oft ist das Essen sehr fettig, Fisch, Fleisch, Yam und sogar der Reis sind häufig frittiert.

All diese Speisen lassen sich auch an einer Vielzahl von Ständen an der Straße besorgen, für 50 Cent wird man satt und für 1€ bekommt man noch Fleisch oder Fisch dazu.

Das Leben hier spielt sich größtenteils auf der Straße ab, wo Menschen ihre Waren aus Behältern, die sie auf dem Kopf tragen, oder aus kleinen Läden am Straßenrand verkaufen. Oder aber vor dem eigenen Haus, wo oftmals gekocht und mit Freunden, der Familie und Verwandten zusammen gesessen und gegessen wird. Nicht unüblich ist aber auch, dass sich der Vater oder andere Familienmitglieder zum Essen zurückziehen oder dass vor dem Fernseher gegessen wird.

Der Tag beginnt hier meist sehr früh, etwa um 5 oder 6, dann wird üblicherweise vor und im Haus gefegt und das Frühstück vorbereitet, und endet meist um 21 oder 22 Uhr. So ist es zumindest in meiner Familie.

Dass Leute bestimmten Hobbys nachgehen, habe ich noch kaum beobachten können. Es wird viel Fußball gespielt, ansonsten gibt es nicht viele Freizeitmöglichkeiten. Der Tag ist eben von der eigenen Arbeit und Hausarbeiten geprägt.

Das Wetter in Ghana wird von zwei Jahreszeiten geprägt, der Trockenzeit von November bis Februar und der Regenzeit in den anderen Monaten. Während es in der Regenzeit sehr grün und feucht ist und die Sonne kaum scheint, lässt die Trockenzeit das meiste Grün zu Braun werden, die Luft ist sehr staubig und trocken und die Sonne brennt stark. Während beider Jahreszeiten ist es immer zwischen ca. 25 und 35 Grad warm.

Mit meiner weißen Haut falle ich hier natürlich sehr auf und werde auf der Straße immer „Obruni“ (Weißer) gerufen. Die Leute sind größtenteils sehr freundlich, offen und gehen viel auf mich zu, um zu erfahren, wo ich herkomme, was ich in Ghana mache und wie es mir hier gefällt. Oft wollen sie dann auch meine Nummer und rufen mich dann Tage später an, meistens habe ich dann ihren Namen schon wieder vergessen und muss dann so tun, als ob ich wüsste, wer da mit mir telefoniert.

Es kommt auch vor, dass solche Begegnungen mit Fremden nicht so positiv verlaufen, da sie letztendlich nur auf mein Geld aus sind. Als „Obruni“ hat man den Ruf, Unmengen an Geld zu besitzen. Deshalb zahle ich oft für Essen oder andere Produkte mehr als die Einheimischen, wenn ich nicht gut verhandle oder mir der richtige Preis unbekannt ist. Gerade Taxifahrer versuchen einen erfahrungsgemäß ziemlich häufig übers Ohr zu hauen.

Leider musste ich schon mehrmals ein Krankenhaus aufsuchen. Einmal wegen Malaria und dreimal wegen einer Lebensmittelvergiftung. Über Nacht bleiben musste ich zum Glück nur einmal.

Ich nehme zwar eine Malariaprophylaxe und benutze ein Mückennetz sowie Mückenspray, aber trotzdem lassen sich Stiche nicht vermeiden. Die Malaria habe ich aber schnell und gut überstanden. Die Lebensmittelvergiftungen habe ich mir wahrscheinlich von auf der Straße gekauftem Essen geholt.

Ansonsten geht es mir aber sehr gut und ich bin glücklich hier. Ich freue mich auf die kommenden Monate in Ghana, in denen ich weiterhin vorhabe viel zu Reisen und hoffentlich den Spaß am Unterrichten beibehalte.

03.11.2014

Erfahrungsbericht über meine Reise nach West-Kenia vom 29.07.-18.08.2014

Von Hannah Brand

Ich war in den Sommerferien 2014 für drei Wochen mit der Organisation pro International und acht weiteren Teilnehmern in Kenia. Die Fahrt hat mich rückblickend stark geprägt, obwohl der Zeitraum recht kurz war und von meinen Erfahrungen möchte ich jetzt detailliert im folgenden Text berichten.

Vorab soll gesagt sein, dass die Vorbereitung für solch eine Reise einiges an Zeit bedarf. Nach der Anmeldung stand erst einmal ein Vorbereitungseminar seitens pro International bevor, was ich für sehr notwendig, auch nach der Reise, erachte. Wir haben uns untereinander an diesem Wochenende  gut kennengelernt und konnten so unsere Ängste, Sehnsüchte, Vorstellungen und Erfahrungen untereinander teilen, das hatte meine Vorfreude auf das Camp stark gefördert.
Zudem wurden wir auf einige Konfliktsituationen vorbereitet und konnten schon einige Erfahrungen von den Teamern erhalten. Uns wurde empfohlen zeitnah die Impfungen zu beginnen und das war auch sehr wichtig. Ich war insgesamt 4-mal beim Arzt und habe um die 7 Impfungen erhalten, welche zum Glück alle von meiner Krankenkasse übernommen wurden.
Die Packliste sollte man auch nicht unterschätzen, obwohl wahrscheinlich einige Dinge nicht unbedingt nötig gewesen wären. Zum Beispiel hatte ich meiner Meinung nach zu viele Medikamente dabei, obwohl ich mir die Medikamente schon mit einer Freundin aufgeteilt hatte. Nur die Malariaprophylaxe sollte man unbedingt zu Rate ziehen.
Als dann jegliche Vorbereitungen abgeschlossen waren, konnte die Reise beginnen!

Am Dienstag, den 29. Juli, habe ich meinen ersten richtigen Langstreckenflug angetreten, welcher an sich auch schon eine Erfahrung wert war. Wir sind von Frankfurt nach Addis Abeba (Äthiopien) und von dort nach Nairobi geflogen. Der erste Flug dauerte 6 Stunden und den Service empfand ich als sehr angenehm. In Nairobi angekommen, mussten wir ein sehr ausführliches Formular für unser Visum ausfüllen. Wir haben einen Tag in Nairobi bei CIVS verbracht und unser Viertel Buruburu erkundet, da wir aus Sicherheitsgründen diesen Teil Nairobis nicht verlassen durften.
Die Verpflegung und Betreuung von CIVS war sehr gut und hat uns schon langsam in kenianische Verhältnisse eingeführt. Am nächsten Tag sind wir morgens losgefahren um in acht Stunden in unserem Camport anzukommen. Die Fahrt hat mich persönlich sehr angestrengt und ich war froh, dann im strömenden Regen (auch das ist kenianisches Wetter!) anzukommen. Die Ankunft hat mich erst mal ziemlich überrumpelt! Wir stiegen aus und wurden direkt von gut 20 Frauen umarmt, gleichzeitig haben sie gesungen. Es war einerseits sehr herzlich, aber mich hat es eher etwas geschockt. Das Camp an sich war sehr groß, jedoch hatten wir neun Frauen nur ein kleines Haus, was manchmal wirklich sehr beklemmend war.
Unser 'Wohnzimmer' war anscheinend gut ausgestattet mit Sofas, Sesseln und Tischen, die man in Deutschland aber eher auf dem Sperrmüll finden würde. Das erste, was einen Schock für alle gegeben hat, war das 'Toilettenhaus'. Dort waren drei einzelne kleine Räume nebeneinander. Ganz rechts war nur ein Loch im Boden, daneben war ein Klo, welches unserem recht ähnlich sieht, jedoch saßen im innerem des Klos an jedem freien Stück Fliegen, das war für mich die erste Überwindung darstellte. Ganz links war ein kleiner Raum wo ein Kanister bzw. Bottich auf einem Gestell stand – das war die Dusche! Wenn man duschen wollte, musste man erst zum Brunnen, dort pumpen, wieder zur Dusche und sich das Wasser über den Kopf schütten. Das fand ich sehr toll, außerordentlich wassersparend und erfrischend! Nach einigen Tagen hatte man sich an das Campleben meiner Meinung nach sehr gut gewöhnt. Wir haben zuerst unseren Gastvater besser kennengelernt und unsere Campteilnehmer aus Kenia. Der Akzent, mit dem sie Englisch sprechen, war für mich am Anfang sehr schwierig zu verstehen, wurde aber immer besser. Wir wurden in Teams aufgeteilt - ein Küchenteam, ein Wasserteam und ein Hygieneteam.
Das Küchenteam musste für gut 18 Leute kochen und abspülen. Der Job war sehr zeitaufwendig und anstrengend, da man nicht richtig abspülen konnte und sich diese Prozedur leider dreimal am Tag wiederholt hat. Das Wasserteam war für die Küche, das Trinkwasser (Wasser + Chlor) im Wohnzimmer und einen großen Kanister verantwortlich. Der Brunnen stand zum Glück nicht weit entfernt, deswegen war diese Arbeit sehr angenehm und beliebt. Das Hygieneteam musste nur die Klos und die Dusche säubern und gucken, dass auf dem Gelände kein Müll rumliegt.
Natürlich muss man sehen, dass das Geschirr durch das Spülen nie ganz sauber wurde, und das musste man einfach akzeptieren. Jemand mit Hygienefimmel hätte sicher hier schon längst seine Probleme gehabt.

Was ich als total schön empfand, war die Mentalität in Kenia!
Zum Beispiel können die Kinder aus dem Dorf überall spielen, wo sie wollen, auf jedem Grundstück und jedem Gebäude. Man bekommt das Gefühl, dass sie alle eine Familie sind und allen alles gehört. Das hat mich sehr erfüllt! Die Kinder dort waren immer bei uns, weil wir nun mal die 'Hauptattraktion' waren. Sie waren alle sehr aufgeweckt und freuten sich sehr darüber, dass wir mit ihnen spielen wollten. Ich habe sogar das Gefühl gewonnen, dass diese Kinder dort glücklicher sind. Sie freuen sich über die kleinsten Dinge und wissen alles zu schätzen, zudem pflegen sie ein wunderbares Verhältnis zueinander. Die Kinder lachen viel, tollen herum ohne jeglichen Druck auf ihren schulische Entwicklung oder ihre Zukunft. Sie leben einfach ihre Kindheit aus wie sie es möchten und werden durch nichts fremdbestimmt, das hat mich sehr bewegt und zum Nachdenken angeregt.
Anderes Beispiel, wir besuchten eine Schule und wurden nur etwa eine Stunde vor unserem Eintreten angekündigt. Spontanität und Flexibilität sind dort so alltäglich wie bei uns unser täglich Brot. Sie haben für uns getanzt, gesungen und mit uns Fußball gespielt, einfach so! Zeit ist dort relativ, niemand erwartet, dass du zu bestimmten Zeiten an bestimmten Orten bist, es zählt nur, dass du überhaupt kommst. Diese Zeitlosigkeit war für mich purer Genuss! Du stehst unter keinem Stress, keinem Druck, du kannst dich einfach fallen lassen und deinen ganzen Tag sehr frei planen und gestalten. So kam es vor, dass unser Abendessen erst um 9 Uhr auf dem Tisch stand, je nachdem, ob das Küchenteam sich beeilte bzw. Lust hatte.
Unsere Arbeit startete manchmal um 9 Uhr oder eben um 10 Uhr, je nachdem.
Selbst beim Arbeiten kam die Mentalität zum Vorschein. Die Frauengruppe, mit der wir zusammengearbeitet hatten, hatten ein anderes Verhältnis zu Arbeit als wir! Das zeigte sich zum Beispiel beim Wasser holen. Wir beeilten uns und versuchten sehr effektiv zu arbeiten, indem immer die Kanister genutzt wurden und die anderen, die keinen Kanister hatten, Pause gemacht hatten und dann immer ausgewechselt haben.
Die kenianischen Frauen gingen immer alle zusammen auch, wenn nicht jeder einen Kanister hatte und nach dem Wasser holen, haben immer alle einheitlich eine Pause gemacht. In unseren Augen war dies sehr ineffektiv, wenn man die ganze Situation aber aus einem anderen Blickwinkel betrachtet, war ihre Methode auf kommunikativer Ebene wahrscheinlich effektiver. Der Unterschied bestand allein darin, dass wir auf die Produktivität achten, wie wir es hier in Deutschland von klein auf gelernt haben. Den Frauen war es neben der Produktivität, jedoch viel wichtiger, dass sie untereinander ein gutes Verhältnis pflegen und gemeinschaftlich diese Aufgabe bewältigen. Ein sehr wichtiger Unterschied zwischen unseren beiden Kulturen.
Was ich beängstigend und traurig fand, war der Fakt, dass der Hautfarbenunterschied auch dort sehr existent ist. Die Kinder haben uns alle immer mit 'Musungu' angesprochen, was in deren Sprache 'Weißer' bedeutet. Selbst auf der Straße wurde laut geschrien, wenn man uns gesehen hat und viele haben auf uns gezeigt. Auch dort waren wir wieder die 'Hauptattraktion'! Das Verhältnis zu uns war auch sehr speziell, die Erwachsenen haben uns immer mit einem Händedruck und der anderen Hand in der Armbeuge begrüßt, was dort so viel wie Ehrerbietung bedeutet. Ich werde also nur anders behandelt, weil ich ein Privileg inne habe, dass ich durch meinen Geburtsort bzw. meine Eltern erhalten habe. Eine wahnsinnige Ungerechtigkeit, die aber leider existent ist! Ich würde mir wünschen, dass dieser Unterschied so normal wird wie der Unterschied zwischen blauen und grünen Augen oder blonden und schwarzen Haaren. Bei diesen Unterschieden schreit auch keiner, wenn er dich sieht: „Guck mal die hat blaue Augen!“
Einmal waren wir mit 10 'bedürftigen' Kindern im Krankenhaus. 4 von 10 Kindern hatten Malaria und hätten sterben können, wären wir nicht mit ihnen dort hin gefahren und hätten es bezahlt. Das hat mich so stark getroffen, dass ich angefangen habe zu weinen. Wir haben zwar diesen 10 Kindern geholfen, aber was ist mit den anderen Kindern?

Diese ganzen Erfahrungen, ob gut oder schlecht, haben mich so sehr geprägt, dass ich diese Reise wirklich jedem weiter empfehlen würde! Ich habe zum ersten Mal in meinem Leben einen Regenwald gesehen und Affen direkt vor mir! Als wir dann oben auf dem Aussichtspunkt standen und über diese unglaublichen Weiten schauen konnten, hatte ich zum ersten Mal in meinem Leben wirklich das Gefühl von Freiheit und Selbstbestimmung!

03.11.2014

Erfahrungsbericht zu meinem Workcamp in Ahero, Kenia

Von Moritz Egger

Das Workcamp startete am 22.07.2013, an diesem Tag ging unser Flug nach Nairobi, Kenia. Unser deutsches Team bestand aus 5 Teilnehmer aus Marburg und einer Leiterin von pro-international, der Organisation, bei der wir uns für das Marburg-Projekt angemeldet haben, welches uns nach Kenia brachte. Vorort arbeiteten wir mit der Partner-Organisation CIVS. Als wir nach 1 Tag Aufenthalt in Nairobi und der Fahrt nach Ahero, in Westkenia dort ankamen, trafen wir auf die anderen Teilnehmer. Das gesamte Team war international, es waren Teilnehmer aus Frankreich, Korea und China vertreten.

Ein normaler Tag im Workcamp begann um 8 Uhr, es sei denn man war für den Tag fürs Kochen eingeteilt, dann begann der Tag um etwa 6 Uhr. Anschließend frühstückten wir immer kurz zusammen und das Arbeitsteam für den jeweiligen Tag begann anschließend mit der Arbeit. Man war immer im Kochteam, im Putzteam, im Arbeitsteam oder im Kochteam für die Waisenkinder eingeteilt. Sobald das Arbeitsteam um 13 Uhr fertig war, aßen wir zusammen Mittagessen.

Insgesamt arbeiteten wir nur unter der Woche, an den Wochenenden unternahmen wir immer etwas, wie zum Beispiel einen 2-Tages-Ausflug nach Kisumu und speziell auch zum Viktoria-See.

Unsere Arbeit bestand aus verschiedenen Baustellen, welche wir nach und nach abgearbeitet haben. Wir gruben den Platz für einen Teich, sodass man dort Fische leben lassen konnte, die zur Nahrung der Community dienen sollten. Außerdem pflanzten wir 46 Bäume und haben einige Felder umgegraben und vom Unkraut befreit.

Ich hatte das Gefühl, dass die Arbeit eher nebensächlich war und das der interkulturelle Austausch im Mittelpunkt stand.

03.11.2014

Zwischenbericht von meinem Auslandsjahr 2011/2012 in Argentinien

Von Hanna Rühle

Ich bin jetzt schon seit einem guten halben Jahr in Argentinien und mir gefällt es bis jetzt ziemlich gut. Ich wohne in Luján in der Provinz Buenos Aires. 5 Monate habe ich in einer Gastfamilie mit 4 Geschwistern gewohnt, wo es mir eigentlich auch sehr gefallen hat. Leider musste ich dann die Gastfamilie wechseln, weil es mit einer 13-Jährigen Schwester Probleme gab. Seit 2 Monaten lebe ich nun in einem Haus von einer Klassenkameradin und es ist schon viel angenehmer.

Seit einer Woche hat jetzt die Schule wieder angefangen, nach den großen 3-Monatigen Ferien. Ende Februar war ich für 3 Wochen im Urlaub. Erst eine Woche mit meiner Gastfamilie, in „Mar del Plata“ und danach mit meiner Organisation, YFU, 2 Wochen in den Norden, um Argentinien kennen zu lernen. Als ich zurück gekommen bin, musste ich leider die Schule wechseln, weil meine alte Gastfamilie nicht wollte, dass ich auf der alten Schule weitermache. Die alte Schule war eine private katholische Schule auf der ich auch schon viele Freunde gefunden hatte. Jetzt bin ich auf eine öffentliche Schule gewechselt, um andere Erfahrungen zu sammeln.

Und auch gleich nach dem 3. Tag merkt man die Unterschiede. Das Level des Lernstoffes liegt auf der privaten Schule sichtlich höher. Das letzte Jahr habe ich im Unterricht noch nicht gut mitarbeiten können, weil ich viel nicht verstanden habe. Dass läuft jetzt aber schon perfekt und ich kann in allen Fächern so gut wie möglich mitarbeiten. Auch hier auf der neuen Schule habe ich mich schon gut mit meinen Klassenkameraden angefreundet.

Mit meinen Freunden und meiner Familie aus Deutschland habe ich regelmäßig Kontakt und lasse mir immer den Schulstoff zukommen. Ich entschuldige mich, wenn mein schriftliches Deutsch nicht allzu gut klingt, weil man das unglaublich schnell verlernt, da ich nur noch in Spanisch rede und denke.

Saludos (Liebste Grüße),
Ihre Hannah

05.09.2012

Mi tiempo en Chile – Meine Zeit in Chile

Von Nadine Schüttler

El 29 de Abril llegué a Puerto Varas. Estaba muy cansada por el vuelo que duro 18 horas de Alemania a Chile. Pero porque no conoci a mi nueva familia estaba también muy nerviosa.
Nunca podia pensar que mi familia era tan simpática y que Puerto Varas era tan lindo.
Am 28. April 2010 begann meine Reise nach Chile. Überraschend war, dass schon im Flugzeug von Frankfurt nach Madrid nur Spanisch und ein eher schlechtes Englisch gesprochen wurde, was aber auch alles kein großes Problem war, im Gegensatz dazu, dass ich von 18 Stunden Flugzeit höchstens 4 Stunden schlafen konnte. Dennoch  war ich kaum müde, als ich in Chile landete und endlich meine neue „Familie“ für 3 Monate kennen lernen durfte. Dies lag sicherlich an der Aufregung und den ganzen neuen Eindrücken, die mich überfluteten.
El 2 de mayo fue mi primer día en el colegio alemán de Puerto Varas. La semana primera fue la más dura , porque no estaba acostumbrada que las clases duran hasta las cuatro o cinco de la tarde y al principio entendí casi nada de español.  Pero todos del curso me saludaron cariñoso ,hablaron conmigo y me ayudaron mucho. Inmediatamente note que la gente aqui es mas abierto que la gente de Alemania.
Ademas me gusta mucho que los profersores chilenos a veces son mas amables que los profesores alemanes.
Am selben Abend noch (ich war nun schon über 24 Stunden auf den Beinen) lernte ich auf einer Feier die ganzen Freunde von Susan, meiner Gastschwester, kennen. Es war unglaublich, wie nett und offen alle sofort auf mich zu kamen. Auch in der nächsten Zeit bemerkte ich, dass die Chilenen eine viel positivere Einstellung haben und vieles viel lockerer sehen als wir Deutschen manchmal, was zwar auch nicht immer von Vorteil ist, da viele zum Beispiel sehr unpünktlich sind. Aber niemand nimmt diese „Unart“ dem anderen böse.
Los fines de semana siempre hice excursiones con mi familia. Vi muchas muchas cosas maravillosas como Chiloé , Maullin , Valdivia, Parque Nacional Puyehue, Saltos del Pertrohué, Frutilliar y creo muchas mas. La naturaleza de Chile es impresionate y muy diferente que la naturaleza de Alemania .
No puedo decir que es la cosa más preciosa, porque me encanta todo! El tiempo no fue siempre muy bien , pero siempre cuando quise ver algo mas especial estaba soleado - por suerte.
Die Schule und vor allem der Unterricht waren auch ganz anders als in Deutschland: Es wurde fast täglich eine oder sogar zwei Arbeiten geschrieben, die Schule ging bis um 17.00 Uhr , aber dafür konnten die Schüler im Unterricht schlafen oder Karten spielen, ohne das es den Lehrer störte. Positiv fiel mir aber auf, dass die Lehrer eine viel freundschaftlichere und engere Beziehung zu ihren Schülern hatten, als unsere Lehrer hier zu uns, was aber natürlich gleichzeitig bedeutete , dass man nicht so viel Respekt vor dem Lehrer hatte.
Además los fines de semana salimos a fiestas. Ellas estuvieron muy entretenido  por la música superbuena y la gente que baila con mucho diversión. Meine Gastfamilie unternahm wirklich sehr viel mit mir und wir machten jedes Wochenende Ausflüge.
Después de 3 semanas muchas cosas fueron mas fácil para mí : pude hablar y entender mejor español y me acostumbré a las costumbres chilenas , salvo comer la palta. Eso es creo la única cosa que no me gusta en Chile. Die Natur Chiles ist unbeschreiblich schön, besonders im Süden, wo ich war. Aus meinem Fenster konnte ich auf den größten See Chiles, den Llanquihue , und den zwei Vulkanen im Hintergrund blicken, was schon sehr atemberaubend war. Aber auch diese unberührten Landschaften mit den vielen Wälder, den Wasserfällen, dem Pazifik, den Vulkanen, und den Tieren (z.B. Flamingos)  waren einfach nur faszinierend. 
Voy a recordarme siempre de mi tiempo acá en Chile, porque fue lleno de risas, de alegria y de experiencias inolvidables. Extraño mucho a las personas, porque fueron como mis propios amigos o mi propia familia. Mit der Sprache hatte ich nur am Anfang kleinere Probleme, fand mich aber sehr schnell hinein und fühlte mich sogar bei längere Unterhaltungen mit meiner dortigen Familie wohl.
Meine Gastfamilie wurde für mich zu meiner eigenen Familie und auch die vielen Freunde, die ich dort gefunden habe vermisse ich sehr.
Por todo eso quiero dar gracias a las personas que conoci.
Chile es un país superbueno y espero que puedo volver algun día.
Zum Schluss bleibt mir nur zu sagen, dass ich diesen Austausch nur empfehlen kann.
Chile ist ein wunderschönes Land und die Kultur ist zwar anders, aber unbedingt wert, sie kenne zu lernen.
Ich werde die Zeit dort immer in Erinnerung behalten!

 

 

06.05.2012

Stimme aus Peru

Von Janika Schemm

Ich bin gerade in Peru und mache einen Freiwilligendienst in einer Schule für körperlich und geistig Behinderte Kinder und ich habe gerade mit meiner Mitfreiwillgen einen Spendenflyer gestaltet, den ich Ihnen ganz dreist einfach mal zuschicke.

Sehr gerne können Sie natürlich auch spenden, aber ich wollte fragen, ob man den Flyer nicht irgendwie auf der HP veröffentlichen könnte, weil ich ja Exschülerin bin? ich schicke den Flyer auch noch an andere Lehrer...

So, außerdem frage ich, wie es Ihnen geht? und der Elisabethschule? und überhaupt.

Liebe Grüße
Janika

Leitet Herunterladen der Datei einDer Flyer

08.02.2012

Zwischenbericht Austauschjahr USA

Charlotte

Von Charlotte-Marie Kuhlmann

Hallo, mein Name ist Charlotte und ich bin seid etwa 6 Monaten in den USA. Die Entscheidung hierher zu kommen, war eine der besten meines Lebens. Ich gehe für 1 Jahr in die Bishop Guilfoyle High School in Pennsylvania.

Als ich Deutschland verlassen habe hatte ich Zweifel, wie es hier sein würde. Allerdings hab ich schnell Anschluss gefunden, dabei hat es mir besonders geholfen, dass ich Cheerleading gemacht habe. Dadurch bin ich mit anderen Schülern/innen in Kontakt gekommen während der Sommerferien. Alle in meinem Team waren sehr freundlich und haben mir geholfen, wo immer sie konnten.
Am Anfang meines Aufenhaltes hatte ich etwas Probleme mit meinem Englisch, aber das ist besser mit der Zeit geworden.

Meine Gastfamilie ist extrem freundlich, unterstützend und offen. Sie haben mir viele Fragen gestelllt und mittlerweile sind sie wie eine zweite Familie für mich. Ich verstehe mich sehr gut mit meiner Gastschwester und wir reden oft für Stunden.

Ich hab hier viele tolle Sachen gefunden. Ich habe neue Freunde, mit denen ich auch sicher in Kontakt bleibe wenn ich zurück in Marburg bin. Mein Englisch ist deutlich besser geworden, was mir sicher im späteren Leben weiter hilft.
Ich denke diese Erfahrung hat mich wachsen lassen und mir einen anderen Blickwinkel auf mein Leben gegeben.

30.11.2011

Mein Jahr in Panama

Adelines Klasse der Escuela Secundaria

Ángel María Herrera in Penenomé

Hallo, ich bin Adeline Grafe und ich gehe in die 12. Klasse der Elisabethschule. Vor genau 77 Tagen war ich noch Schülerin der Escuela Secundaria Ángel María Herrera in Penenomé, Panama.

Hier auf dem Bild könnt ihr meine Schulklasse und mich in unseren uniformes sehen. Auf meine camisa (Schulbluse) haben am letzten Schultag all meine Schulfreunde unterschrieben. Die Bluse samt Faltenrock und Ballerinas mit Söckchen(!!!) habe ich gleich an meinem zweiten Tag in Penonome gekauft - bei der ersten Anprobe hätte ich mich am liebsten geweigert dieses "Outfit" die nächsten 11 Monate zu tragen. Das war im August 2010 - im Juni 2011 war ich schon Meisterin im Faltenrock-Bügeln und meine früheren Bedenken hatten sich vollständig aufgelöst, denn erstens hat so eine Schuluniform auch viele Vorteile und zweitens war ich in Panama sowieso nirgendwo "uniform".  Auch am Ende meines Jahres, nachdem ich so viele Freunde gefunden und mich gut in die Schule integriert hatte, war ich noch immer "la Alemana" oder "la fula" (das weiße, deutsche Mädchen). Das war einerseits oft anstrengend, andererseits habe ich es genossen, ein bisschen "deutsche Botschafterin" zu spielen. Die Panameños sind unglaublich aufgeschlossen und wollten immer, dass ich ihnen etwas über mich und Alemania erzähle. Dabei habe ich viel über deutsche Eigenheiten gelernt und mir ist bewusst geworden, wie viele Privilegien wir als Deutsche genießen. Durch diese Gespräche musste ich zum ersten Mal ausführlich über die deutsche Gesellschaft und Strukturen wie unser Schulsystem nachdenken.

Das Schulsystem in Panama unterscheidet sich nämlich deutlich vom Deutschen, was  ich gleich am Anfang feststellen musste: Auf den öffentlichen Schulen besucht die Hälfte der Schüler von 7.00 bis 12.30 den Unterricht und die andere Hälfte von 12.45 bis 18.20. Der Gedanke, statt vormittags, nachmittags in die Schule zu gehen behagte mir anfangs überhaupt nicht! Doch das war nicht die einzige meiner Erwartungen, die sich nicht erfüllt hat: Da ich in Deutschland sehr oft und gerne tanze - generell auch ein recht aktiver Mensch bin - hatte ich mir vorgenommen in Panama weiterhin zu tanzen oder wenigstens in einen Sportverein einzutreten. Allerdings musste ich schnell einsehen, dass mein Vorsatz in Panama nicht realisierbar war. In meiner Stadt gab es keinen einzigen Sportverein und eine Tanzschule schon gar nicht. Außerdem musste ich im ersten Halbjahr nachmittags zur Schule gehen, so dass ich auch nicht besonders viel Auswahl hatte, bei meiner Freizeitgestaltung. So kam es dazu, dass ich in die Frisbee-Mannschaft, die vormittags trainierte, eintrat und in der Banda (Marching Band) anfing  Lira (ein mir vor Panama unbekanntes Instrument) zu spielen.  Niemals hätte ich gedacht, dass ich dort so eine gute Zeit mit den Leuten haben würde und mich so für diese Aktivitäten begeistern können würde!
Sosehr mich das Schulleben auch in Panama beeinflusst hat, so war auch die Erfahrung in einer ganz anderen Familie zu leben eine sehr prägende für mich. Meine familia panmeña bestand aus meinen Gasteltern, meinen drei Schwestern, meiner Uroma und noch etwa 100.000 Tanten und Onkel, die fast alle in der Nachbarschaft lebten oder zumindest in derselben Stadt. Für panamaische Verhältnisse ging es ihnen Materiell noch ganz gut und sie gehörten zur Mittelschicht. Für mich war am Anfang jedoch alles noch sehr ungewohnt und ich sehnte mich nach dem Luxus einer Spül- und Waschmaschine sowie einem gefüllten Kühlschrank. Mit der Zeit, als es auch mit dem Spanisch bergauf ging, lebte ich mich ein und lernte den entspannten Lebensstil des Landes zu lieben. Meine Gastfamilie war sehr offen für meine Kultur und es fiel mir leicht, mich bei ihnen wohl zu fühlen, da ich immer Leute um mich herum hatte, die sich Zeit für mich nahmen, wenn ich Hilfe brauchte. Sie haben mir ihre Kultur unheimlich gut vermitteln können und ich habe in ihnen wirklich eine zweite Familie gefunden und sie in mir eine vierte Tochter.

In meinem Jahr in Panama ist vieles passiert: Ich habe eine Menge Eindrücke bekommen, bin viel durch das Land gereist und bin unabhängiger geworden. Ich habe Deutschland und mich neu kennen gelernt, dabei so viele wunderschöne Erfahrungen gemacht, dass ich noch viele, viele Seiten damit füllen könnte.
Ich empfehle Jedem einen Interkulturellen Auslandsaufenthalt (z. B. mit AFS, wie ich es getan habe) zu machen, der offen für Neues ist und gerne mal dem deutschen Alltag entfliehen möchte! Ich kann nur sagen: Traut euch! Es lohnt sich!

PS: Und habt keine Angst, ihr könntet nach dem Jahr in der Schule den Anschluss nicht wieder finden. Viele, die ins Ausland gehen sind sogar motivierter, wenn sie wieder nach Hause kommen und holen alles schnell auf.

30.11.2011

Meine Erfahrungen in Australien

"From Germany comes Strudel, Porsche, Beethoven… and me!"
Aufschrift meines T-Shirt von der australischen Partnerorganisation SCCE

Hallo, ich bin Anne und ich bin im Juli 2009 für fünf Monate nach Australien geflogen.

Als ich mit gut 50 anderen zukünftigen Austauschschülern und zahlreichen Unbekannten im Flugzeug Richtung Sydney saß, waren die Abschiede die ich mir viel schlimmer vorgestellt hatte, schon längst vollzogen, aber mir wurde trotzdem mulmig zumute, was wusste ich eigentlich über dieses Land, das fast ganz Europa einnimmt, über die Menschen und über deren Geschichte? Nicht viel, wie sich herausstellte, die Bundesstaaten konnte ich mir zusammenreimen, vom Goldrausch und der Aborigine-Unterdrückung hatte ich auch schon mal gehört, aber in den kommenden Wochen würde sich das hoffentlich alles ändern... Natürlich überkamen mich auch ein wenig Selbstzweifel, mit der Sprache würde ich schon klar kommen aber war ich denn überhaupt "austauschbar" und passte ich in eine mir bisher ziemlich fremde Gastfamilie rein? Diese Skepsis überkommt wahrscheinlich einmal jeden Austauschschüler, aber sie verfliegt dann irgendwann auch wieder.

Der wichtigste Moment meines ganzen Austausches (und der schafft es mindestens auch auf die Top 5 Liste der bedeutsamsten in meinem bisherigen Leben), das Treffen auf meine Gastfamilie ereignete sich nach einem sehr aufregendem und aufschlussreichem drei tägigenVorbereitungsseminar in Sydney. Meine wundervollen Gasteltern holten mich dort ab und wir fuhren dann sogleich fünf Stunden in Richtung Batemans Bay, New South Wales - genug Zeit um sich gegenseitig zu "beschnuppern" - wo wir dann auch meine beiden Gastschwestern und ihre Freunde trafen. In Batemans Bay blieben wir für eine Woche und dieser Urlaub war definitiv der beste Einstieg um alle kennen zu lernen. Dieser erste Tag mit den "Boxes" war unglaublich aufregend, ich streichelte Kängurus und Papageien und sah abends Delfine am Strand, es versprach also gut zu werden.

In die eigentliche Heimat- und Hauptstadt kehrten wir kurz vor Schulbeginn wieder zurück. Canberra (und auch wenn ihr jetzt vielleicht zweimal überlegen müsst, Sydney ist nicht die Hauptstadt von Australien!) liegt in einem Tag umgeben vom Bergen, dort ist es relativ kalt und dementsprechend musste ich im Juli (!) auch erst mal ziemlich frösteln und betrat die Bibliothek meiner Schule jeden Morgen mit dem Ausspruch: "Oh my god, it’s so freaking cold!", na klar, es war Winter in Australien, aber auf den ersten Blick passen diese beiden Begriffe doch wirklich nicht zusammen... Neben meiner Gastfamilie und den neuen Freunden war meine Schule, das MacKillop Catholic College, in "Oz" das Beste was mir passieren konnte. Wenn man will, kann Schule dort anspruchsvoll sein, ich wollte es nicht und so verbrachte ich Tage voller Lachen und wenig Arbeit. Mein Lieblingsfach war Sport und das hatte ich nicht nur zwei Stunden in der Woche wie in Deutschland sondern viermal die Woche. Ich lernte so ziemlich alle australischen Sportarten kennen, vom "Footy" bis "Oz-Tag", zwischendurch spielten wir "Four Corners", Hindernisgolf, Badminton, Handball und vieles mehr... Ein weiterer Höhepunkt war auch der Englischunterricht mit einer supermotivierten Lehrerin und der super amüsante höhere Mathekurs, in dem die Leute "Gässundhait" statt "Bless you" sagten ohne die Bedeutung zu wissen und fest davon überzeugt waren, dass Frankfurt die Hauptstadt von Deutschland sei. Nach den mehr oder weniger üblichen Unterhaltungen: "So, do they really speak, what language, German in Germany?" - "Ehm, yes, they do." - "So, on the street, I can hear people speaking German, not English?!" und "Are you a Nazi, do you still support Hitler?" wurde ich ohne weiteres in die Gemeinschaft aufgenommen, Australier haben diese Mentalität an denen es den Deutschen vielleicht ein bisschen mangelt, sie sind sehr aufgeschlossen und optimistisch.

Das Klischee, dass jeder mit "Hey mate, how’s it going?" begrüßt wird, kann ich nun bestätigen und auch, dass sie ihr meist tägliches Fleisch essen und lieben, Kängurus werden weniger gegessen als angefahren, weil sie eine Plage sind und überall herumlaufen. Ebenfalls wohnen nicht alle Aussies am Strand, surfen können auch nicht alle und es ist nur im Norden das ganze Jahr warm. Während meiner Zeit in Down Under habe ich sehr viel über Land und Leute aber auch über mich gelernt: Vielleicht bin ich doch ein wenig wählerisch beim Essen und vielleicht würde ich doch viel lieber Weihnachten bei meiner zweiten Familie feiern, als in den kalten Deutschland-Dezember zurückzukehren, zum Beispiel. Außerdem bin ich viel selbstständiger und mutiger geworden und habe mittlerweile schon einen kleinen australischen Akzent.

Dieses halbe Jahr war definitiv die beste Zeit meines Lebens, ich werde auf jeden Fall wieder nach Australien zurückkommen und wünsche jedem potentiellen Austauschschüler, dass er diese einmalige Chance ebenfalls ergreift und daraus etwas macht.