Sportanlagen

06.12.2009

Sportentwicklungsplan fordert neue Sporthalle

Experten: Marburg braucht neue Vier-Felder-Sporthalle

von Uwe Badouin, OP vom 2.12.2009

Marburg. 51 Seiten umfasst der Sportentwicklungsplan der Stadt Marburg, den der Sportsoziologe Professor Michael Klein und Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) gestern der Presse vorstellten. Er soll im Februar den Stadtverordneten zur Kenntnis gegeben werden. Vaupel rechnet mit vielen Diskussionen, denn die Expertengruppe weist auf defizite in der Marburger Sportlandschaft hin. So ist nach Ansicht Kleins eine neue Vuer-Felder-Halle mit 1.600 Quadratmetern unabdingbar, um dem Bedarf gerecht zu werden.

Projektgruppe empfiehlt neue Sporthalle

Die Planungsgruppe zur Marburger Sportentwick­lung empfiehlt der Stadt den Bau einer Vier-Felder-­Sporthalle, um den Bedarf abzudecken. Dies geht aus dem vorläufigen Sportent­wicklungsplan hervor, der gestern vorgestellt wurde.

"Eine neue Halle ist unabdingbar", betont Professor Michael Klein. Die Stadt hatte den Sportsoziologen, der viele Jahre an der Erfurter Universität lehrte und seit wenigen Jahren in Marburg lebt, als Moderator der Projektgruppe gewonnen. Klein lässt nach monatelanger Arbeit der mit Experten aus der Verwaltung, Vertretern von Par­teien, Verbänden, Schulen und Vereinen besetzten "Kooperati­ven Planungsgruppe zur Sportentwicklung in der Univer­sitätsstadt Marburg" keinen Zweifel daran, dass es enorme Hallendefizite in der Stadt gibt. Der rechnerische Fehl-Bedarf an Sport- und Turnhallen­flächen in der Stadt Marburg beträgt nach Ansicht der Grup­pe rund 2 800 Quadratmeter. Um dem Bedarf für Vereine und Schulen gerecht zu werden -und um überhaupt Ausweich­möglichkeiten etwa im Fall ei­ner Sanierung zu haben - emp­fiehlt die Projektgruppe den Neubau einer Vier-Felder-Halle mit einer Größe von 1600 Qua­dratmetern in zentraler Lage. Damit könnte auch der enorme Sporthallen-Sanierungsstau entschärft werden.

Darüber hinaus sollten die Sa­nitärbereiche der Marburger Sporthallen saniert, der barrie­refreie Zugang für behinderte Menschen sichergestellt sowie die Beleuchtungssituation der Eingangsbereiche überprüft und gegebenenfalls erneuert werden. Dies gelte auch für die teilweise überalterte Ausstat­tung der Hallen.

„Deutliche Defizite" listet der Sportentwicklungsplan auch im Bereich Freibäder auf. So sollte geprüft werden, ob ein "Schwimmbad in der Lahn" realistisch sei. Gleichzeitig soll geprüft werden, ob etwa unter einer Vier-Felder-Halle ein "ein­faches Hallenbad" mit einer 50-Meter-Bahn gebaut werden könnte, die überwiegend von Schulen und Vereinen genutzt werden würde. Zudem regt die Projektgruppe an, weitere Sportplätze zu Kunstrasenplät­zen umzubauen - der Platz der Sportfreunde / Blau-Geld Mar­burg ist bereits dafür vorgese­hen.

Empfohlen wird darüber hin­aus, die Talentförderung in Grundschulen in Zusammenar­beit mit Vereinen auszubauen. Jedem Marburger Grundschüler sollte eine Vereinsmitglied­schaft über ein Jahr finanziert werden.

Dies sind nur einige zentrale Punkte aus einem umfassenden Katalog, der jede Menge Arbeit bedeutet. Der Bericht, den Oberbürgermeister Egon Vau­pel (SPD) im Februar den Stadt­verordneten zur Kenntnis ge­ben will (übrigens gemeinsam

mit dem Feuerwehrbedarfs- und -entwicklungsplan), um­fasst 51 Seiten. Für den Sport-entwicklungsplan hat die Ar­beitsgruppe durch Befragungen von Bürgern, Schülerinnen und Schülern, Vereinen und Schulen eine Fülle an Daten zusammen­getragen. Die gesamte Doku­mentation umfasst rund 300 Seiten und soll, so hofft Profes­sor Michael Klein, auch als ei­genständige Publikation her­ausgebracht werden.

Stolz ist der Wissenschaftler, der zehn Jahre lang Vizepräsi­dent der internationalen Verei­nigung der Sportsoziologen war, vor allem auf die Schüler­befragung. Demnach sind Mar­burgs Schüler sportbegeistert: 92 Prozent treiben sehr gern oder gern Sport. Ihre Favoriten sind in erster Linie Mann­schaftssportarten wie Fußball oder Basketball aber auch Schwimmen. 52,3 Prozent sind Mitglied in einem Sportverein. Aber - und das bereitet Klein Sorge: 31,8 Prozent sind aus ei­nem Sportverein wieder ausge­treten. Das sei im kommunalen Vergleich eine sehr hohe Zahl. Als Hauptgrund wurde Zeit­mangel wegen der Schule ange­führt, gefolgt von "keine Lust mehr".

Oberbürgermeister Egon Vau­pel (SPD) rechnet mit "vielen Diskussionen, wenn der Plan in den politischen Prozess geht". Denn die Projektgruppe habe in ihrer Planung "die politische und finanzpolitische Bewer­tung nicht einbezogen", sagte er insbesondere mit Blick auf die Kosten etwa für eine 50-Me­ter-Bahn.

Und ob trotz des Handlungs­bedarfs eine Vier-Felder-Halle gebaut wird, oder die Stadt an­dere Lösungen des Hallenpro­blems findet, ist ebenfalls völlig offen. Vaupel tendiert auch da­zu, die bislang nicht ausgelaste­ten Bürgerhäuser etwa für den wachsenden Bedarf im Reha­-Sport zu nutzen.

Vaupel betonte gestern auch, dass die Bedeutung des Fach­diensts Sport wachsen und sich dies auch im Stellenplan nie­derschlagen wird.