Berichte

01.12.2008

Pressemitteilung

Elisabethschule spendet 20.000 EUR für Küche und Speisesaal in bolivianischer Schule

Am Freitag, dem 28.11.2008 übergab die Schuldezernentin der Universitätsstadt Marburg, Frau Dr. K. Weinbach, der Schulgemeinde der Elisabethschule die mit einem finanziellen Aufwand von 1,2 Millionen Euro erbaute Cafeteria.

Schüler-, Lehrer- und Elternvertreter bedankten sich herzlich für den jugendgerecht gestalteten Aufenthalts- und Speiseraum, der schon nach den ersten Wochen des Probebetriebs zum neuen Zentrum der Schule während der Pausen und Freistunden geworden ist.

Der Tradition der Elisabethschule entspreche es, so der Schulleiter Karl Heinz Fuchs, diese Freude mit anderen zu teilen. Mit einer Spende über 20.000,-- Euro, die in diesen Tagen nach Bolivien überwiesen wurde, kann in dem Dorf Achocalla in der Nähe von La Paz die Schule Kurmi Wasi („Regenbogenhaus“) ihrerseits eine dringend benötigte Küche und einen Speisesaal für die 88 zumeist mittellosen Schülerinnen und Schüler errichten. Mit dieser Spende, die von den 1.300 Elisabethschülern an Projekttagen in den Jahren 2007 und 2008 erarbeitet und gesammelt wurden, erhöht sich – so die Koordinatorin des Schulprojekts, Frau Silke Malkus - die seit 2004 für bolivianische Kinder und Jugendliche überwiesene Summe auf 59.775,-- Euro.

Auch zukünftig will die Elisabethschule durch Spenden die Lebens- und Lernbedingungen von Kindern und Jugendlichen in benachteiligten Weltregionen unterstützen.

K. H. Fuchs
Schulleiter

21.06.2006

Ein Tag für La Paz

Erste Nachrichten über einen erfolgreichen Tag. Mehr als 1000 Schülerinnen und Schüler der Elisabethschule arbeiteten in unterschiedlichen Bereichen für einen guten Zweck: eine gesicherte Ernährung, Bekleidung und schulische Ausbildung für Kinder und Jugendliche in La Paz.

Noch bevor eine abschließende Bilanz erstellt wurde, liegt eine erste Teilsumme vor. Beim Einpacken und dem Transport von Waren in drei Supermärkten Marburgs sammelten Schülerinnen und Schüler von Klassen der Jahrgangsstufen 5 und 6 den sensationellen Betrag von 1.440 EUR.

Parroquia "Cuerpo de Cristo"

P. Sebastián Obermaier,
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Rechenschaftsbericht Januar 2006

Frau Studienrätin
Silke Malkus
Elisabethschule Marburg

El Alto, 09.01.2006

Grüß Gott, Frau Malkus

vom Altiplano Boliviens aus grüβe ich Sie recht herzlich und wünsche Ihnen viel Erfolg in Ihrer Arbeit.

Jetzt aber zu Ihrer Bitte, mehr Informationen zu erhalten

1) Das Haus "Casa del Niño"

Bitte stellen Sie sich einen Patio vor, einen Innenhof, nicht überdacht, mit den Ausmaßen von von 20 mal 20 Meter. Ringsherum sind die verschiedenen Räumlichkeiten: WC, Küche, Voratskammmer, Büro für die Sozialarbeiterin, Zimmer für den Arzt und für die Psychologin,  Schlafräume für 20 Mädchen und 20 Jungen, Essraum, Schul- und Spielraum. Außerhalb ist ein Auslaufgrundstück mit der Grotte der Mutter Gottes, mit Basketballplatz, Schaukeln und anderen Spielmöglichkeiten. Das Ganze ist umgeben von einer hohen Mauer. Sie war zuerst mehr symbolisch. Aber als die Kinder, welche uns von der Jugendfürsorge mit Dokumenten übergeben werden, über die Mauer kletterten, mussten wir daraus eine wirklich hohe Mauer machen.

Das Personal sind: 3 Erzieherinnen, eine Köchin, eine Sozialarbeiterin, eine Psychologin und abwechselnd auch ein Rechtsanwalt.

Die Erzieherinnen wechseln, leider, viel zu schnell, denn die Kinder sind alles andere als einfach zu haben. Sie sind das Ergebnis der Gewalttätigkeit der Erwachsenen. Bei den Mädchen sind die meisten vergewaltigt. Einige Kinder waren bereits "auf der Straβe" und haben die ganze brutale Erfahrung des Straβenlebens in sich. Zur Zeit haben wir eine sehr gute Psychologin. Aber die eigentliche Arbeit machen die Erzieherinnen, die Tag und Nacht sich um die Kinder kümmern.

Unser Problem ist die Abhängigkeit von der Jugendrichterin, welche den Kindern nicht die Rückkehr in die Familie ermöglicht, sondern sie solange wie möglich, in einigen Fällen mehr als ein Jahr, bei uns "aufbewahrt". Für das Kind ist unser so liebes und schönes Haus aber doch nicht die "Mutti" oder der "Vati". Sie wollen nach Hause und demonstrieren ihr Recht darauf. Es ist mein Kampf, die Rechte der Kinder zu verteidigen, in ihre Familie zurückgehen zu dürfen, auch wenn vielleicht eine neue Gewalttätigkeit auf sie wartet.

Die Kinder essen über alles gerne Yoghurt. Sie nehmen an Gewicht zu. Die Fabrik "Hipp Kindernahrungsmittel" will unseren 2 Häusern einen großen Container gratis senden mit Kindernahrungsmitteln; aber wir müssen eine Industriellen finden, der den Transport zahlt.

Die misshandelten Kinder reagieren gewalttätig. Sie sind nicht böse, sondern das Ergebnis der Gewalttätigkeit 90 % der Kinder erhalten die Prügel oder heißes Wasser durch die Mutter. Sie schlagen, wenn ihnen etwas nicht passt, die Fenster ein ohne Angst zu haben, dass sie ihre Hand verletzten können.

Durchschnittlich haben wir 36 Kinder im Haus. Es ist uns ein Bedürfnis, wieder gut zu machen, was andere Erwachsene an den Kindern gesündigt haben.

Die Ausgaben habe ich Ihnen mal geschrieben. Sollten Sie eine neue Zusammenstellung benötigen, ich sende sie Ihnen gerne.

2) Das Haus "Mi Hogar"

Im Wohnviertel "Padre Luis Espinal" leben die ärmsten Familien der Pfarrei. Im dortigen Pfarrhaus, mit erstem Stock, sind die 200 Kinder untergebracht, die aus den schwierigsten Verhältnissen kommen und in Gefahr stehen, Straβenkinder zu werden. Das wollen wir mit unserem Einsatz verhindern.

Normalerweise sind es Familien mit vielen Kindern, wo der Vater fehlt. Die Mutter muss durch Wäschewaschen in verschiedenen Häusern oder durch den Verkauf von irgendetwas auf der Straße den Lebensunterhalt verdienen. Dort, wo ein Vater existiert, haben wir oft das Problem der Trunkenheit und wiederum fehlt das Geld für die Ernährung der Kinder. Unsere Behandlung ist integral. Das heißt: wir geben medizinische Betreuung, Zahnbehandlung, Augengläser, Schulaufgabenbetreuung, Bibliothek, Absprache mit den Schullehrern, Sport, religiöse Bildung, psychologische Behandlung der schwierigen Fälle, Versammlungen mit den Eltern ("Schule der Eltern"), Hausbesuche, Mittagessen und Tee. Abends gehen die Kinder nach Hause.

Die 200 Kinder sind in 2 Gruppen eingeteilt: eine Gruppe hat morgens Schule, kommt zum Mittagessen und bleibt bis abends. Die andere Gruppe kommt am Morgen ins Haus, bleibt beim Mittagessen und geht nachmittags in die Schule. Wir haben gute Schulergebnisse erzielt. Die Kinder sind ruhig und leicht zu haben.

Da wir nicht "ewig" diese Familien unterstützen können, sind wir dabei, die Mütter für eine Textilindustrie auszubilden. Wir haben einen Vertrag für Handarbeit in Textil, das sind Verschönerungen an Kleidern durch glitzernde  Perlen und ähnliches, wir haben den Absatzmarkt. Die Mütter sind schon vorbereitet, wie man eine Firma aufbaut, wie man finanziell und technisch eine mittlere Firma führt. Es werden die Mütter selbst sein, welche nach einer gewissen Probezeit die Leitung in die Hand nehmen und nicht mehr für Andere, sondern für die eigene Familie arbeiten,. Damit ändert sich auch das Selbstbewusstsein der Mütter. Sie treten selbstsicherer auf und arbeiten auch zielstrebiger. "Jetzt ist es für uns," sagen sie.

Das Personal sind: 3 Köchinnen (jede Mahlzeit für 220 Personen), die Sozialarbeiterin als Chefin und dann von der Universität ausgebildete Psychologen, welche ihr Praktikum bei uns machen. Das Essen kostet viel Geld. Wir brauchen Hilfe, um die laufenden Kosten, die Nahrungsmittel und die Löhne zu bezahlen. Vom Welternährungsplan bekommen wir “trockene Lebensmittel”, das sind Mehl (für das Brot), Reis und ähnliches. Es reicht nicht aus. Der Präfekt gibt uns Gemüse. Das Andere, ganz besonders das Fleisch, müssen wir aus eigener Tasche zahlen. Wir sind, zusammen mit den Müttern, ein bisschen stolz darauf, dass unsere Frauen bald ihre eigene Textilfirma machen werden.

3) Der Bau von 19 Schulräumen für das Schuljahr 2006

Die Stadt El ALTO war vor 27 Jahren ein Stadtteil von La Paz, oben, wo der Flughafen ist, auf 4.000 Meter Meereshöhe. Der Stadtplatz von La Paz  liegt auf 3.600 Meter Meereshöhe. Dieser Stadtteil hat sich zur drittgröβten Stadt Boliviens entwickelt, ist das Brennglas der sozialen Probleme, hat bereits 2 Präsidenten vom Präsidentenstuhl gefegt und ist weiterhin ein brodelnder Kessel sozialer Probleme, bei einer gegenwärtigen Bevölkerung von 800.000 Menschen. 50 % der Bevölkerung sind Personen von 0 – 18 Jahren. Wir sind eine sehr junge Stadt. Am Stadtrand wachsen die neuen Siedlungen, welche wiederum Schulen brauchen. Ich habe dort 10 kirchliche, öffentliche Schulen gegründet. Jedes Schuljahr wachsen die Klassen und benötigen neue Schulräume, und auch die Schulbänke. Eine Schulbank pro Kind kostet € 10,00, eine sechseckige Schulbank für je 6 Kinder kostet 60 EUR. Ein Klassenraum kostet, ohne Einrichtung, den Betrag von 3.200 EUR.

Wahrscheinlich habe ich eine Menge von Dingen vergessen zu erzählen, die Sie interessieren. Bitte, seien Sie so lieb und schreiben Sie mir Ihre Fragen. Ich werde sie bald beantworten. Ich sende Ihnen per e-Mail Fotos von den Kindern. Soweit ich mich erinnern kann, habe ich bereits einige gesandt.

Bitte grüßen Sie recht herzlich von mir den Herrn Direktor der Schule, K. H. Fuchs, alle Lehrer, Schüler und Eltern.

Grüß Gott,

Padre Sebastián Obermaier

Rechenschaftbericht April 2006

El Alto, 08.04.2006

Grüβ Gott, Frau Malkus,

vom Altiplano Boliviens aus grüβe ich Sie recht herzlich und wünsche Ihnen viel Optimismus in den Ereignissen unseres Alltages.

Herzlichen Dank für Ihre e-Mail vom 11. März mit der herrlichen Nachricht, dass Sie uns den großen Betrag von 3.613,27 € auf dem Weg über Fulda geschenkt haben.

Sie und Ihre Schüler und Ihre Kollegen sind großartig!

Vergelt's Gott!

Danke an alle, die zum Nikolaustag die Sterne gebastelt und verkauft haben, an alle, die zum "Elisabeth-Tag" auf ein Eis verzichtet haben zu Gunsten unserer Kinder. Danke an alle, die in den Pausen an die Lehrer und Schüler Waffeln verkauft haben. Die Abiturienten hätten das Geld ihrer Feste auch für sich verbrauchen können. Sie haben ein gutes Herz und haben es  uns geschenkt. Danke an den Lehrer, der das Weihnachtskonzert geleitet hat und uns den Ertrag gegeben hat.

Es lebe die Elisabethschule Marburg!

Gestern hat uns die "Defensoría de los niños y adolescentes" ins "Casa del Niño"  ein dreijähriges Mädchen gebracht. Misshandelt. Wir mussten mit dem armen Hascherl sofort ins Krankenhaus, wo es einige Tage brauchen wird, um sich zu erholen von seinen Verletzungen. Wahrscheinlich ist es auch sexuelll missbraucht worden. Es ist schon recht traurig, was die Erwachsenen mit den Kindern anstellen. Ich meine, es ist ein großes Verbrechen.

Die staatlichen Stellen für Kinder sind unsere Oberaufsicht. Wir haben keine rechtliche Möglichkeit, über den Aufenthaltsort der Kinder zu bestimmen. So muss es auch sein. Aber durch die neue Regierung wurden alle Angestellten ausgewechselt und die neuen wissen nicht, was sie tun sollten. So brauchen wir unseren jungen, guten Rechtsanwalt, um die Jugendrichterin, bei uns heißt sie "Kinder-Richterin" zu bewegen, Entscheidungen zu treffen.

Mit Kraftanstrengung brachten wir es fertig, dass einige Jungen, die Eltern haben, welche beide besoffen auf der Straße leben, in ein Heim auf dem Lande kamen. Wir beten für sie, dass sie sich dort gut entfalten können und einmal tüchtige und liebe Menschen werden.

Ein Junge war bei uns, von dem wir weder den Namen noch seine Herkunft wussten. Wir waren gerade dabei, ihm einen neuen  Vornamen und Nachnamen geben zu lassen und ihn zur Adoption freizugeben, als dann doch die Mutter zu finden war. Durch Fernsehen und Radio versuchen wir, an die unbekannten Eltern heranzukommen.

Unsere Sozialarbeiterin packte einen Jungen in den Omnibus. Sie fuhren eine Strecke von etwa München bis Madrid, weil wir vermuteten, das Mädchen kommt von dort her. Durchs dortige Fernsehen, das sehr hilfsbereit ist, suchten wir in dieser Gegend die Eltern und haben sie auch dort entdeckt. So eine Aktion kann der Staat nicht machen, weil den Stellen das Geld fehlt, eine so lange Busfahrt und die Begleitperson zu bezahlen. So arm ist unser Staat. Natürlich fehlt ihnen auch das Interesse und die Initiative.

Eine Petroleumsgesellschaft hat den beiden Kinderhäusern "Mi Hogar" und "Casa del Niño" eine Heizanlage mit Gas installiert. Gratis. Wir waren glücklich! So etwas haben unsere Leute nicht, nicht einmal der Bischof.

Aber dann kam die Rechnung fürs Gas. Das war ein Schock! So viel Geld haben wir nicht. "Sofort alle Heizkörper sperren, die Dusche kontrollieren, die Wasserhähne für Warmwasser sichern", war unsere logische Antwort. Diesen Luxus eines warmen Hauses können wir uns nicht leisten! Natürlich haben wir die Herren der Petroleumgesellschaft besucht und sie gebeten, uns auch das Gas zu schenken. Sie waren sehr lieb, aber auch entschieden: "Zuerst müsst ihr die bestehenden Rechnungen bezahlen, dann können wir über diese Bitte reden." Natürlich haben wir bezahlt, in der Hoffnung, dass ihr Direktorium unseren Kindern helfen möge. Seit Wochen warten wir auf eine Antwort. Ich glaube, ich muss sie noch einmal besuchen, um  unser Ziel zu erreichen: ein warmes Haus für die Kinder.

Unsere Psychologin hat genug damit zu tun, unsere Bettnässer wieder trocken zu machen. Es sind Reaktionen auf die Gewalttätigkeit, welche sie erleiden mussten. Wir haben Erfolg und die Kinder machen sich von diesem inneren Druck frei. Aber es braucht Zeit.

Die Psychologin ist eine sehr gute Frau. Sie klopft nicht ihre 8 Stunden pro Tag ab, sondern steht den Kindern Tag und Nacht, auch sonntags zur Verfügung wie eine Mami. Wir sind glücklich mit ihr, denn zwischen unseren Kindern, zwischen unserem Aymara- Personal und den Universitätsgebildeten ist doch ein Standesunterschied, den die meisten Chefinnen unbewusst leben und uns merken lassen. Die Psychologin ist da anders, besser.

Natürlich sende ich Ihnen eine Folge von Fotos per e-Mail. Sie können sie vergrößern und ausdrucken oder einem Fotogeschäft übergeben. Wenn Sie andere Bilder brauchen, mehr Fotos, ich habe kein Problem und sende Ihnen, was sie "bestellen".

Das Leben ist wunderbar. Ganz besonders, wenn es in diesem Paket "Leben" eine Elisabethschule in Marburg gibt.

Gott segne Sie und alle Schüler und Lehrer der Elisabethschule!

Grüβ Gott!

Padre Sebastián Obermaier